Was bleibt von Steve Jobs’ Vermächtnis? Eine Spurensuche anlässlich des 50-jährigen Bestehens von Apple. Der Saal ist dunkel, als ein Mann die Bühne betritt. Er trägt weiße New Balance-Tennisschuhe, Jeans und einen schwarzen Rollkragenpulli. Er präsentiert drei wegweisende Geräte seiner Firma: Ein iPod, ein Telefon und ein Internetgerät – alles in einem. Es ist das Jahr 2007, als Steve Jobs das iPhone vorstellt, den Moment, der später als Wendepunkt gefeiert wird. Intelligente Mobiltelefone existierten bereits, aber Jobs perfektionierte ihre Nutzung mit dem Touchscreen und abgerundeten App-Icons. Er reduzierte physische Bedienelemente zugunsten glatter Oberflächen. Jobs war kein Tüftler oder Erfinder, sondern ein Perfektionist, der Kundenbedürfnisse verstand – er machte das Produkt zum Markenzeichen. Genau fünfzig Jahre zuvor gründeten Steve Jobs und Ingenieur Steve Wozniak Apple in der Garage seiner Eltern. Trotz früher Niederlagen gelangen Erfolge wie der Macintosh (1984) und später die Rückkehr von Jobs, der das Sortiment straffte. Nach seiner Rückkehr folgten Meilensteine: iMac, iPod, iPhone, iPad. Jobs gilt als Idealbild des modernen Unternehmers, der Produktpräsentationen in Shows verwandelte. Er machte den Computer zu einem Statussymbol – ein Apple-Gerät war Teil eines Lebensstils. Viele heutige CEOs versuchen, ihm nachzueifern. Doch Jobs’ Einfluss geht über Auftritt und Kleidung hinaus. Jobs Perfektionismus zeigte sich in Details: Rechteckige Fenster mit abgerundeten Ecken beim Macintosh waren seine Idee – trotz der mathematischen Herausforderungen. Bei Möbeln dauerte es acht Jahre, bis Jobs und seine Frau Laurene Powell Jobs endlich welche kauften. Jobs Drang zur Perfektion begann in jungen Jahren: Sein Vater lehrte ihn, auch die unsichtbare Rückseite eines Zauns zu streichen. Nach dem Abbruch seines Studiums am Reed College besuchte er Kurse wie japanische Kalligrafie, was sich später beim Macintosh-Design auszahlte. Mit 19 reiste Jobs durch Indien und fand im Zen-Buddhismus Inspiration – eine Philosophie der Reduktion, die in Apple-Produkten zum Ausdruck kam. Jony Ive, ein Designer und Freund von Jobs, betonte: Einfachheit bedeutet Kontrolle. Jobs verkaufte Visionen statt Technik. Als er das iPhone präsentierte, war es noch nicht fertig – doch er hatte es bereits verkauft. Innerhalb von Apple wurde seine Fähigkeit, die Realität zu verzerren, als «Reality Distortion Field» bekannt. Diese Mischung aus Selbstüberschätzung und Perfektionismus ermöglichte es ihm, seine Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. 1997 richtete sich eine Apple-Werbung an «die Verrückten, die Aussenseiter», denn diejenigen, die glauben, die Welt verändern zu können, sind es auch.