Die irakische Nationalmannschaft feierte nach einem 2:1-Sieg gegen Bolivien im interkontinentalen Playoff am Dienstagabend in Monterrey ihren Einzug in die Fußballweltmeisterschaft. Es ist das erste Mal seit vierzig Jahren, dass der Irak an diesem prestigeträchtigen Turnier teilnimmt.
Graham Arnold, der australische Trainer des Teams, hob hervor: «Die Spieler haben mit echter irakischer Mentalität gespielt». Er zeigte sich überglücklich darüber, 46 Millionen Menschen im Irak erfreut zu haben, besonders angesichts der Herausforderungen in der Region. Nach dem Ausbruch des Iran-Krieges Mitte März drohte die Teilnahme am Playoff zu scheitern, da Botschaften geschlossen blieben und Lufträume gesperrt wurden. Die Fifa lehnte eine Spielverlegung ab.
Die Mannschaft reiste schließlich über Landwege nach Amman, von dort mit einer Privatmaschine weiter nach Lissabon und schließlich Monterrey. Dort empfingen sie mexikanische Fans herzlich – ein Zeichen der Solidarität für die im Krieg gebeutelte Nation.
Der Irak erlebte über Jahrzehnte Kriege, Terror und wirtschaftliche Krisen. In den letzten Jahren hat das Land jedoch politische Stabilität gewonnen: Unternehmen entstanden, Investoren kamen aus dem Ausland. Im Fußballbereich wurden neue Spielfelder gebaut und Talente gefördert. Dank Fifa-Genehmigung durfte die Nationalmannschaft wieder vor heimischem Publikum spielen – nicht in Bagdad, aber in Basra und Erbil.
“Der Fussball symbolisiert eine Aufbruchstimmung”, erklärt Robert Chatterjee, stellvertretender Chefredakteur des Nahost-Magazins Zenith. In der jüngeren Vergangenheit wurden Städte saniert und der Tourismus belebt. Doch aktuell steht dieser Fortschritt erneut auf dem Spiel.
Der Irak ist durch ethnische und religiöse Vielfalt geprägt. In den 1980er- und 90er-Jahren setzte Diktator Saddam Hussein Gewalt ein, um Spannungen zu unterdrücken. Fussballklubs waren an staatliche Institutionen gebunden. Nach Saddams Sturz 2003 stürzte der Irak ins Chaos, mit Terroranschlägen und Entführungen.
Trotzdem zeigte sich das irakische Team bei der Asienmeisterschaft 2007 stark, schlug Südkorea im Halbfinale. Nach einem Anschlag mit mehr als fünfzig Toten auf Feiernde in Bagdad zögerte das Team den Finalbesuch, wurde aber dazu bewegt und gewann gegen Saudi-Arabien.
Heute knüpft der irakische Fußball an diese Erfolge an. Der Sieg über Bolivien wird auch von Millionen Irakis im Ausland gefeiert. Chatterjee betont: «Der Irak könnte bei der WM die Einheit der arabischen Welt symbolisieren». Das Team trifft auf Norwegen, Frankreich und Senegal – ein Privileg nach allen Strapazen.