Die weltweite Nachfrage nach Luftabwehrsystemen von Rheinmetall ist stark gestiegen, so CEO Oliver Dürr im «Club». Seit fünf Jahren leitet der Ostschweizer die Sparte Air Defence des europäischen Rüstungskonzerns, welcher in Zürich-Oerlikon den wichtigsten Standort in der Schweiz hat. Unter anderem produziert Rheinmetall hier Munition sowie Flugabwehr- und Radarsysteme und konnte den Personalbestand auf etwa 2000 Mitarbeiter fast verdoppeln.
SRF News fragt nach dem glücklichen Geschäftszustand durch den Einsatz von Drohnen und der Angst vor Kriegen. Dürr bestätigt dies, betont aber die Schutzfunktion seiner Produkte für Truppen und Bevölkerung und distanziert sich von der Idee guter oder schlechter Waffen.
Die Rückkehr zur Rüstungsindustrie sei zwar eine Gewissensfrage gewesen, doch er sieht es als sinnstiftend an, Länder zu verteidigen. Dürr betont, dass die Politik die Rahmenbedingungen vorgebe und nicht Rheinmetall selbst.
Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs erlebt die Branche einen europaweiten Boom. Mit einem Umsatzplus von rund 80 Prozent im Jahr 2024 zeigt sich Rheinmetall an der Börse ebenfalls stark: Die Aktie stieg seit 2022 um etwa 1600 Prozent.
Der Bundesrat plant für die Luftverteidigung Milliardeninvestitionen und möchte ein System von Rheinmetall für 800 Millionen Franken beschaffen. Trotz Rekordumsätze steht die Schweizer Rüstungsindustrie unter Druck, da Exporte aufgrund des Kriegsmaterialgesetzes eingeschränkt sind.
Ohne Gesetzänderungen drohe eine Abwanderung von Produktionsstandorten, so Dürr. Er betont die Konsequenz der aktuellen Lage: Die Schweiz sei im Ausland nicht mehr als verlässlicher Partner wahrgenommen.
Im Dezember 2025 lockerte das Parlament das Gesetz für Lieferungen an westliche Staaten auch in Konflikten, wogegen nun ein Referendum läuft. Dürr erkennt eine Verschiebung im Sicherheitsgefühl der Menschen hin zur Sensibilisierung für regionale Konflikte.