Obwohl Trump in vielen Fällen eine konservative Mehrheit am Supreme Court hinter sich weiß, könnte er auch bei der Anpassung der «birthright citizenship» eine Niederlage erleiden. Die automatische Staatsbürgerschaft für im Land geborene Kinder von papierlosen Migranten ist in den USA gesetzlich verankert und soll nun geändert werden. Um die Bedeutung dieser Frage zu unterstreichen, besuchte Trump als erstes Staatsoberhaupt eine Anhörung des Supreme Courts.
Die neun Richter hörten sich die Argumente der Regierung sowie die Einwände der Bürgerrechtsorganisation ACLU zur «Citizenship Clause» im 14. Zusatzartikel an, welche besagt: «Alle Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren oder eingebürgert wurden und ihrer Gesetzeshoheit unterstehen, sind Bürger der Vereinigten Staaten». Generalanwalt John Sauer versuchte, die Formulierung «und ihrer Gesetzeshoheit unterstehen» umzudeuten. Er argumentierte, dass es sich hierbei nicht um eine juristische, sondern politische Zugehörigkeit handle, welche durch einen dauerhaften, legalen Wohnsitz bedingt sei.
Sauer betonte außerdem, der 14. Zusatzartikel sei nach dem Bürgerkrieg hauptsächlich zur Verleihung von Staatsbürgerschaft an befreite Sklaven und deren Nachkommen gedacht worden, nicht jedoch für Kinder temporärer oder illegaler Ausländer. Er hob hervor, dass die meisten modernen Staaten diese Geburtsortsregelung nicht mehr unterstützen.
Cecillia Wang von der ACLU verwies auf das Leiturteil «United States v. Wong Kim Ark» aus dem Jahr 1898, in dem entschieden wurde, dass ein in den USA geborener Sohn chinesischer Einwanderer US-Bürger sei, basierend auf dem 14. Zusatzartikel.
Trotz der Ausnahmen von der «birthright citizenship», wie bei Diplomatenkindern oder früher bei Kindern amerikanischer Ureinwohner, will die Trump-Regierung nun auch Sans-Papiers ausschließen.
Die konservativen Richter zeigten sich skeptisch gegenüber Sauers Argumentation. Vorsitzender Richter John Roberts nannte einige Darlegungen «skurril» und meinte, dass Flugreisen in der heutigen Zeit nicht als Argument gegen die Geburtsortsregelung gelten sollten. Die «New York Times» berichtete, entscheidende Richter seien skeptisch, während das «Wall Street Journal» von kritischen Fragen an Wang berichtete.
Auch Umfragen deuten darauf hin, dass die öffentliche Meinung zur «birthright citizenship» gespalten ist: Während eine Mehrheit für legale Einwanderer spricht, gibt es keine klare Haltung bei Sans-Papiers.