Die Golfmonarchien hegen traditionell Sympathie gegenüber Israel. Doch angesichts einer möglichen strategischen Zusammenarbeit könnte dies entscheidend für ihre eigene Sicherheit sein. Die Hauptstädte der Region sind über Israels Entschlossenheit, militärisch gegen Iran vorzugehen, verärgert und werfen Benjamin Netanyahu vor, Donald Trump in diesen Konflikt gedrängt zu haben.
Die sich ändernde Sicherheitslage hat die strategische Realität grundlegend verschoben. Jetzt ist es nicht Israel, das die Golfstaaten erschüttert, sondern Iran. Raketen- und Drohnenangriffe auf Ziele in der Region stellen eine neue Eskalationsstufe dar.
Die zentrale Frage lautet nun, ob Distanz zu Israel noch sicherheitspolitisch vertretbar ist. Mohammed bin Salman drängt angeblich Trump zur Fortsetzung des Krieges und sieht dies als Gelegenheit für grundlegende Veränderungen im Nahen Osten.
Die Angriffe auf Infrastruktur, Energieanlagen und militärische Einrichtungen in den Golfstaaten sind Ausdruck einer strategischen Logik Teherans, die asymmetrische Eskalation und regionale Machtdemonstration betont. Länder wie Katar und Oman, traditionell als Vermittler etabliert, werden zunehmend zu Zielen.
Für Katar könnte dies eine strategische Zäsur bedeuten. Die Rolle als Vermittler verliert an Glaubwürdigkeit, wenn diese Position keinen Schutz bietet. Ähnlich sieht es Oman aus, das traditionell neutral war und feststellt, dass Neutralität keine Immunität garantiert.
Andere Staaten wie die Türkei, Pakistan und Ägypten versuchen nun zu vermitteln. Diese Entwicklung trifft Saudiarabien in einer strategischen Neuorientierung. Vor 2023 hatte Riad vorsichtige Annäherungen an Israel unternommen, diese jedoch unter dem Eindruck des Gaza-Krieges eingefroren.
Die Angriffe aus Iran haben die Verwundbarkeit Saudiarabiens offengelegt und Zweifel an den bestehenden Sicherheitsgarantien aufkommen lassen. Die Überlegung, sich stärker regional verantwortlich zu zeigen, gewinnt an Bedeutung.
Israel rückt für die Golfstaaten in eine neue Rolle: Seine militärischen Fähigkeiten und geheimdienstliche Exzellenz machen es zu einem potenziell wichtigen Partner. Für Saudiarabien stellt sich daher nicht nur die Frage der Vermittelbarkeit einer Annäherung an Israel, sondern auch ihrer strategischen Notwendigkeit.
Die Vereinigten Arabischen Emirate haben bereits eine Kooperation mit Israel formalisiert und könnten diese im Angesicht aktueller Bedrohungen vertiefen. Bahrain, ebenfalls Teil der Abraham-Abkommen, könnte diesen Kurs beschleunigen.
Die strategische Dynamik entfaltet sich innerhalb Irans, wo Hardliner die Machtübernahme vorantreiben und eine aggressive Politik nach innen und außen verfolgen. Dieser Druck erhöht den Anreiz für die Golfstaaten zur Kooperation mit Israel, obwohl das politische Risiko hoch bleibt.
Die Führung in Riad, Abu Dhabi oder Doha muss einen Balanceakt vollführen zwischen strategischer Rationalität und politischer Legitimität. Die Integration Israels in eine regionale Sicherheitsarchitektur könnte eine Lösung sein, ohne es ins Zentrum zu stellen.
Sollte die Eskalation mit Iran weiter zunehmen, könnten die Golfstaaten gezwungen werden, klarere Positionen einzunehmen. Die zukünftige Trennlinie in der Region könnte zwischen einem durch Iran beeinflussten Raum und Staaten liegen, die sich dagegen absichern wollen.
In dieser neuen Realität wird Israel vom Gegner zum funktionalen Partner, aus strategischer Notwendigkeit. Die Skepsis gegenüber Israel bleibt bestehen, aber strategische Rationalität könnte an ihre Stelle treten. So könnte der Drang nach Sicherheit die Golfstaaten dazu veranlassen, Israel zu einem entscheidenden Faktor ihrer Stabilität zu machen.