Die Welt steht vor einem möglichen Engpass bei Bunkertreibstoff, der für die Bewegung von Ozeanriesen unerlässlich ist. Seit dem Beginn des Iran-Konflikts steigen die Preise für Schifffahrtstreibstoffe erheblich an und in Singapur wächst die Sorge um eine Versorgungsengpass. Arne Lohmann Rasmussen, Chefanalyst bei Global Risk Management, äußerte gegenüber der NZZ Bedenken über die unterschätzten Risiken dieser Situation.
Lynn Loo von der Global Centre for Maritime Decarbonisation in Singapur erklärt, dass die Befürchtung berechtigt sei, asiatische Häfen könnten an Bunkertreibstoff knapp werden. Diese Krise könnte den globalen Handel stärker beeinträchtigen als während der Pandemie und das Inflationsniveau weiter erhöhen.
Etwa 80 Prozent des Welthandelsvolumens, darunter Rohstoffe, Container und Chemikalien, hängt von dieser Versorgungskette ab. Die Blockade der Meerenge von Hormuz, durch die rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gasproduktion transportiert werden, verschärft die Situation weiter. Sebastiaan Kosman von Spotbarge warnt vor den weitreichenden Auswirkungen auf die Lieferketten.
Japan hat bereits Vorsichtsmaßnahmen ergriffen: Yasushi Kaneko, der Transportminister, bemerkte Anzeichen für eine Einschränkung des Verkaufs von Schweröl. Der Mangel in Asien könnte sich schnell nach Europa ausbreiten und zu höheren Frachtraten sowie Produktionsstopps führen.
Der Treibstoff besteht hauptsächlich aus Schweröl, das bei der Erdölerzeugung entsteht. Raffinerien in Singapur sind speziell auf saures Öl aus dem Persischen Golf zugeschnitten, wodurch eine Umstellung komplex und kostspielig wäre.
Die Bombardierung von Fujairah hat einen wichtigen Bunkerhafen stillgelegt, was die Abhängigkeit Asiens vom Golföl verstärkt. Kosman geht davon aus, dass im April erhebliche Veränderungen eintreten werden, ähnlich den Wettbewerben um Flüssigerdgas.
Trotz der Lieferung von Öl aus Nordamerika und Europa durch Raffinerien in Rotterdam und Antwerpen besteht keine Garantie, dass europäische Bedürfnisse priorisiert werden. Die Reeder könnten ihre Schiffe verlangsamen, um Treibstoff zu sparen.
Verschiedene Regierungen reagieren mit Rohstoffprotektionismus: China hat den Export von Benzin, Diesel und Kerosin eingestellt, Thailand verbot die Ausfuhr von raffiniertem Treibstoff, und Südkorea beschränkte Naphthaausfuhren. Kosman schließt nicht aus, dass Europa ähnliche Maßnahmen ergreifen könnte.