Führende Forschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft erheblich reduziert und erwarten nun nur noch ein minimales Plus, selbst bei einem raschen Ende der Spannungen im Iran. Diese Entwicklung erhöht den Druck auf die Bundesregierung.
Ursprünglich wurde 2026 als das Jahr angesehen, in dem Deutschland mit einem BIP-Wachstum von 1,3 Prozent wieder zu einer Wachstumslokomotive werden könnte, wie der damalige Bundeskanzler Friedrich Merz versprach. Doch die Realität sieht anders aus: Nach einer Prognoseanpassung durch das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen, das Ifo-Institut München, das Kiel Institut für Weltwirtschaft, das IWH Halle und das DIW Berlin steht nun lediglich ein BIP-Wachstum von 0,6 Prozent im Jahr 2026 zu Buche. Für 2027 wird mit einem Wachstum von 0,9 Prozent gerechnet, nachdem zuvor 1,4 Prozent erwartet wurden.
Die Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Lage im Iran langsam entspannt, doch bei einer weiteren Verschärfung des Konflikts droht ein noch stärkerer Wachstumseinbruch. Die “Energiepreiskrise”, die durch den Krieg in Iran ausgelöst wurde, ist der Hauptgrund für die pessimistische Einschätzung. Preissteigerungen bei Erdgas und Erdöl erhöhen direkt die Kosten für Heizen, Tanken und Produktion energieintensiver Güter. Indirekt steigen auch die Preise von Nahrungsmitteln durch den Anstieg der Düngemittelkosten.
Die Inflationsrate wird für das laufende Jahr auf 2,8 Prozent geschätzt, für das kommende Jahr sogar auf 2,9 Prozent. Die Autoren verweisen darauf, dass die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung stark vom weiteren Verlauf des Konflikts abhängt. Ihre Prognose basiert auf der Annahme einer Entspannung im Iran, wobei die Energiepreise über längere Zeit erhöht bleiben.
Das Szenario sieht vor, dass auch bei einer Erholung der Lage in Iran die Energiekosten hoch bleiben könnten. Die Schließung des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormuz stellt eine erhebliche Unsicherheit dar. Eine Eskalation würde das Wachstum auf 0,4 Prozent im Jahr 2026 drücken.
Die Autoren betonen, dass auch der expansive Kurs der Finanzpolitik zur Prognose beiträgt. Das BIP-Wachstum lag im Vorjahr bei einem positiven, wenn auch geringen Plus von 0,2 Prozent, gestützt durch ein Sondervermögen für Verteidigung und Infrastrukturmodernisierung.
Die deutliche Korrektur erhöht den Druck auf die Bundesregierung, die mehrfach versprochene Entlastung der Unternehmen vertagt hat. Kritiker wie Thomas Hoppe von den jungen Familienunternehmern und Helena Melnikov von der Deutschen Industrie- und Handelskammer fordern konkrete Maßnahmen zur Verringerung von Energie- und Arbeitskosten sowie eine Senkung von Steuern und Bürokratie.
Für Kanzler Friedrich Merz und Finanzminister Lars Klingbeil bleibt die Situation kompliziert, da entlastende Reformen ohne Gegenfinanzierung den Haushalt weiter belasten könnten. Der politische Druck, Bürger für gestiegene Spritpreise zu entlasten, verkleinert zudem den finanziellen Spielraum für wachstumsfördernde Maßnahmen.