Der Stadtrat von Zürich hat die Pläne für eine neue Leichtathletikhalle neben dem Letzigrundstadion vorläufig zurückgezogen. Diese Entscheidung wurde von Sportminister Filippo Leutenegger am Mittwoch im Stadtparlament bekannt gegeben.
Ursprünglich war die Halle auf einem selten genutzten Fussballfeld neben dem Stadion vorgesehen, um dem Leichtathletik-Club Zürich (LCZ) mit seinen rund 700 Mitgliedern als Trainingsstätte zu dienen. Geplant war eine moderne Einrichtung für Sportlerinnen und Sportler verschiedener Disziplinen, deren heutige Anlagen in der Stadt verstreut sind.
Die Kosten von geschätzten 21 Millionen Franken sollten zwischen der Stadt, dem Kanton, dem Bund und privaten Investoren aufgeteilt werden. Die Stadt Zürich wollte dabei sieben Millionen beisteuern, die weiteren sieben Millionen sollten vom Kanton und dem Bund kommen, während private Geldgeber den Rest finanzieren sollten.
SP, Grüne und AL kritisierten jedoch das Bündnis aus öffentlicher Hand und Privatwirtschaft. Sie bemängelten insbesondere das geringe Mitspracherecht der Stadt trotz finanzieller Mitfinanzierung. Die Linken schlugen vor, dass die Stadt selbst in die Halle investieren sollte und zusätzlich prüfen müsste, ob andere Sportinfrastrukturen auf dem Grundstück entstehen könnten.
Die linke Mehrheit in der Kommission war bereit, das Projekt zurückzuweisen. Der Stadtrat sah sich jedoch dazu veranlasst, zuvor einzuschreiten, um den LCZ und die finanziellen Partner nicht vor den Kopf zu stoßen. Filippo Leutenegger begründete dies mit der Absicht, weder den Verein noch den Kanton als Geldgeber zu enttäuschen.
Die Bürgerlichen zeigten sich empört über das Vorgehen von Rot-Grün. Yasmine Bourgeois (FDP) äußerte ihre Fassungslosigkeit darüber, dass ein privat unterstütztes Projekt «mutwillig» torpediert werde und kritisierte die Linken dafür, dass Kinder in den Sportklubs auf Wartelisten verbleiben müssten.
Urs Riklin (Grüne) erklärte, es gehe nicht darum, den Klub als «bösen Privaten» zu brandmarken. Ein vorübergehender Stopp sei jedoch sinnvoll, um nochmals gründlich über die Nutzung des Grundstücks nachzudenken.
Aktuell ist unklar, ob und wann das Projekt wieder aufgegriffen werden könnte. Leutenegger kündigte lediglich an, dass man sich mit dem LCZ in Verbindung setzen werde, um die Situation zu klären.