Inmitten wachsender Spannungen mit den USA hat Kubas Regierung angekündigt, mehr als zweitausend Insassen aus ihren Gefängnissen freizulassen. Diese Entscheidung soll als Teil der Osterfeiertage und in Übereinstimmung mit dem rechtlichen Verfahren zur Gewährung von Haftvergünstigungen erfolgen. Laut Staatsmedien wurden die Fälle sorgfältig geprüft, wobei Sexualstraftäter sowie Personen wegen schwerer Delikte ausgeschlossen sind.
Die USA hatten zuvor im Januar ein Ölembargo gegen Kuba verhängt, was eine Verschärfung der ohnehin angespannten Energie- und Versorgungslage zur Folge hatte. Präsident Donald Trump und Aussenminister Marco Rubio äußerten mehrfach den Wunsch nach einem Regimewechsel in Kuba.
Obwohl die amerikanische Seite bislang keine Stellungnahme zu den Begnadigungen abgab, könnte dies mit einer jüngsten Lockerung des Ölembargos zusammenhängen. So wurde kürzlich ein russischer Tanker mit 730.000 Barrel Rohöl durch US-Marinekräfte nach Kuba gelassen.
Bereits im März hatte die kubanische Regierung die Freilassung von 51 Gefangenen erlaubt, wobei Gespräche mit dem Vatikan eine Rolle spielten. Insgesamt wurden in den letzten fünfzehn Jahren über 11.000 Gefangene begnadigt. Ob auch Teilnehmer der Juli-2021-Proteste unter den Begnadigten sind, ist ungewiss.
Kritiker und Menschenrechtsorganisationen sehen die damals Verurteilten als politische Häftlinge an. Kubas Regierung weist diese Darstellung zurück und betont, dass es auf der Insel keine solchen Gefangenen gebe. Die wirtschaftliche Lage Kuba verschärft sich durch einen massiven Rückgang im Tourismussektor; in den ersten zwei Monaten des Jahres kamen 30 Prozent weniger Touristen als im Vorjahr.
Die Regierung steht zudem unter Druck, da einige Länder ihre medizinischen Kooperationen mit Kuba beendet haben. Zuletzt gab es Hinweise auf Gespräche zwischen beiden Nationen, in denen Kuba Freilassungen und wirtschaftliche Öffnungen anbieten könnte, um Investitionen der kubanischen Diaspora zu ermöglichen. Die USA verfolgen jedoch das Ziel eines Regimewechsels.