Das heutige Zerwürfnis zwischen den USA und Europa über den Iran-Konflikt hat historische Wurzeln in der Ölkrise der 1970er Jahre. Diese Krise führte damals zu tiefgreifenden Spannungen, die jedoch auch neue Kooperationen hervorbrachten. Im November 1973 fand ein geheimes Treffen zwischen dem französischen Präsidenten Georges Pompidou und dem britischen Premierminister Edward Heath statt. Die Diskussionen drehten sich um die damalige Ölkrise, die westliche Länder in Panik versetzt hatte. Der Ölpreis stieg innerhalb weniger Wochen von 3 auf über 5 Dollar pro Fass. Auch der erste autofreie Sonntag wurde am 9. November in Deutschland verordnet. Neben den ökonomischen Problemen sorgte die politische Lage für Unruhe. Pompidou kritisierte, dass Europa international kaum präsent war und eine gemeinsame Anstrengung gegen amerikanische Dominanz nötig sei. Er mahnte jedoch, dass lautes „Europa, Europa“ ohne klare Ergebnisse enden könnte. In der Folgezeit versuchte Frankreich unter Pompidou, Unabhängigkeit von den USA zu demonstrieren und kooperierte mit arabischen Ländern durch Rüstungs- und Nukleartechnologieabkommen. Diese Strategie misslang jedoch; die westdeutsche Regierung unterstützte stattdessen Henry Kissingers Plan zur Schwächung des Erdölkartells OPEC, was zur Gründung der IEA führte. Frankreich blieb isoliert. Heute erleben wir ähnliche Spannungen zwischen Europa und den USA. Während europäische Länder Neutralität anstreben, wählen Israel und die USA Konfrontation. Emmanuel Macron versucht, wie Pompidou, durch Verhandlungen mit dem Iran zu deeskalieren. Historisch zeigt sich, dass solche transatlantischen Spannungen nicht neu sind. Die Ölkrise der 1970er Jahre führte schließlich zu konstruktiven Gipfeltreffen und den jährlichen G-7-Treffen. Diese Geschichte deutet darauf hin, dass aktuelle Verstimmungen ebenfalls überwindbar sein könnten. Die Abhängigkeit Europas von US-Politik in Energie und Verteidigung macht einen Alleingang unmöglich. Umgekehrt ist es für die USA wichtig, europäische Verbündete zu halten. Die Wahl im kommenden November könnte zudem das Ende der Trump-Revolution einläuten. Tobias Straumann ist Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Zürich.