Franco Supino, ein schweizerisch-italienischer Autor, reflektiert über die Rolle des Fußballs in Italien nach dem Ausscheiden der Squadra Azzurra bei den WM-Qualifikationen. Für ihn persönlich war der Sport während seiner Integration von großer Bedeutung. Er erinnert sich daran, wie selbst seine jüngeren Jahre geprägt waren von der Enttäuschung um die frühzeitigen Ausscheiden Italiens bei Weltmeisterschaften, an denen sein Sohn nur vage teilnehmen konnte.
Supino hätte sich auf das Spiel gegen die Schweiz am 18. Juni gefreut und alle weiteren Partien in seiner Agenda gestrichen, da Bosnien nun diese Termine übernahm. Er vergleicht eine WM ohne Italien mit einer Ski-WM ohne die Schweiz – etwas fehlt, ein Gefühl von Leere.
Ein prägnantes Beispiel für den aktuellen Zustand ist Alessandro Bastoni von Inter Mailand, dessen Verhalten im Spiel gegen Juventus Turin zu Kontroversen führte. Nachdem er eine Fehlentscheidung ausgelöst hatte und jubelnd applaudierte, forderte der ehemalige Ministerpräsident Enrico Letta ein Ausschlussverfahren für Bastoni. Trainer Gattuso ignorierte jedoch die Kritik.
Nach einer anfänglichen Führung gegen Bosnien brach das Team sowohl spielerisch als auch moralisch zusammen und wurde letztlich im Elfmeterschießen besiegt, obwohl Torhüter Donnarumma einen Sieg möglich machte. Diese Niederlage führte zu der Schlagzeile in der Tageszeitung “Il Mattino”: “L’Italia non c’è più”.
Supino reflektiert über die Ursachen dieses Niedergangs, beginnend mit dem enttäuschenden Ausfall bei der WM 2010. Der ehemalige Weltklasse-Spieler Roberto Baggio wurde zum technischen Direktor ernannt und legte einen umfassenden Bericht vor, in dem er die Defizite im italienischen Fußballsystem anprangerte: Jugendförderung, Trainerausbildung, Infrastruktur sowie fehlende Investitionen.
Baggios Kritik an der Mentalität des italienischen Fußballs – zu stark auf Taktik und Ergebnisse fokussiert statt Individualität und Technik – blieb unbeachtet. Die Nationalmannschaft genießt wenig Wertschätzung in einem Land, das sich stärker mit lokalen Identitäten als nationaler Einheit verbunden fühlt.
Supino gibt zu, dass ihm die Unterstützung seiner Heimatstadt Napoli wichtiger ist und kritisiert ausländische Investoren, die kurzsichtig agieren. Er sieht daher keine Hoffnung auf Veränderungen trotz politischer Wechsel.
Italien, das einst mit Spielern wie Baggio, Maldini oder Totti weltweit Furore machte, hat sein Wir-Gefühl verloren. Supino erinnert sich an die Zeit der WM 1982 und Paolo Rossis unvergesslichen Jubel als Symbol für eine gemeinsame Freude.
Abschließend richtet Supino seinen Blick nach Bosnien, wo Haris Tabakovic in Grenchen aufwuchs. Er hofft, dass der Sieg gegen Italien Bosnien mehr Respekt einbringt. So wie Italiener einst von den Erfolgen ihrer Nationalmannschaft inspiriert wurden, so soll auch Bosnien davon profitieren.