Die anhaltende Wirkung der vereinbarten zweiwöchigen Feuerpause auf die Energiemärkte hängt davon ab, ob sie in einen dauerhaften Frieden mündet. Die Märkte reagieren euphorisch auf das Abkommen zwischen den USA, Israel und Iran, bekanntgegeben von Donald Trump. Kurz darauf sank der Preis für ein Fass Brent-Öl um fast 15 Prozent auf etwa 94 Dollar – erstmals seit dem 26. März unter die Marke von 100 Dollar. Die in den USA gehandelte Ölsorte WTI verzeichnete ähnliche Preiseinbrüche.
Die Pakistan vermittelte Feuerpause sorgt auch für Zuversicht an der Aktienbörse, nachdem Anleger zuvor mit einer Verschärfung des Konflikts rechnen mussten. Indizes wie der S&P 500 und der Nasdaq 100 könnten um über zwei Prozent zulegen. Ein vorheriger Optimismus im amerikanischen Handel deutete bereits auf eine mögliche Entspannung hin.
Auch in der Schweiz dürfte der Aktienmarkt mit Gewinnen starten, wobei für den Swiss-Market-Index ein Anstieg von drei Prozent erwartet wird. In Japan und Südkorea zeigen die Börsen kräftige Aufschläge: Der Nikkei-225 legt um über fünf Prozent zu und der Kospi um sieben Prozent. Halbleiterunternehmen wie Samsung Electronics und SK Hynix profitieren besonders, da eine Wiedereröffnung der Strasse von Hormuz die Heliumversorgung sichert.
Edelmetalle und Bitcoin zulegen, während der Dollar im Vergleich zu einem Korb anderer Währungen um fast ein Prozent abfällt. Dies ist auf dessen vorherige Rolle als “sicherer Hafen” zurückzuführen. Die Ölterminmärkte zeigen sich ebenfalls positiv gestimmt.
Trotz der aktuellen Entspannung bleiben grundlegende Fragen unbeantwortet, wie die Möglichkeit eines Konfliktausbruchs oder Irans Forderungen nach Schutzgeld für Schiffe durch die Strasse von Hormuz. Sicherheitsexperte Tsuneo Watanabe warnt vor einem möglichen Scheitern der Verhandlungen und unkontrollierbaren Szenarien. Aktienmarktstrategin Rie Nishihara mahnt zur Vorsicht, obwohl die US-Aktien bereits einen Aufwärtstrend zeigen.
Es bleibt abzuwarten, wie schnell Öltanker nach der Waffenruhe wieder fahren und welche Effizienz sie im Umgang mit dem Zeitfenster erreichen. Auch wenn die Meerenge dauerhaft geöffnet bleibt, wird es dauern, bis die Produktion in den arabischen Ländern wieder anläuft, da viele Anlagen stillgelegt oder beschädigt wurden.
Die Grossbank Morgan Stanley rechnet nicht mit einer Rückkehr zu vorherigen Energiepreisen. Autofahrer müssen sich noch gedulden, bevor der sinkende Rohölpreis an den Zapfsäulen wirkt. Trump und seine Partei hoffen auf niedrigere Benzinpreise bis zur Wahl im Herbst. Die Zentralbanken weltweit setzen auf eine Entspannung der Energiemärkte, um Inflation zu bekämpfen.
Die Stabilität des Waffenstillstands bleibt entscheidend für die Volatilität an den Märkten. Richard Fontaine von der Center for New American Security ist skeptisch: Zwar bietet die Feuerpause Raum für Friedensverhandlungen, doch könnte das Ergebnis eine schwierigere Lage nach sich ziehen, sollte Teheran seine Ziele weitgehend erreichen.