Der südostasiatische Stadtstaat Singapur intensiviert seine Bemühungen, Investitionen von der Basler Pharmaindustrie und Medizintechnikfirmen aus der Schweiz zu gewinnen. Unterstützung von der Regierung erhält dabei das Unternehmen Sonova, das in Singapur neue Hörgeräte entwickelt.
Jede bedeutende Volkswirtschaft unternimmt Anstrengungen zur Standortförderung. Auch die Schweiz nutzt dazu rund 45 Botschaften weltweit, die als Swiss-Business-Hubs fungieren und den Wirtschaftsstandort Schweiz bewerben.
Singapurs Economic Development Board (EDB) ist besonders aktiv darin, Investitionen von Schweizer Firmen anzuziehen. Ein Vertreter der Basler Pharmaindustrie berichtet, dass er ein konkretes Angebot von einer Delegation aus Singapur erhalten habe, die strategisch gezielte Offerten unterbreitet.
Die Attraktivität Singapurs für Pharmaunternehmen ist kein Zufall: Bereits vor über zwei Jahrzehnten begann der Aufbau eines weltweit führenden Biomedizinökosystems. Mit einem kaufkraftbereinigten Pro-Kopf-Einkommen von 161.000 Dollar gehört das Land zu den reichsten der Welt und beeindruckt mit einer Wirtschaftsleistung, die im letzten Jahr um 5 Prozent wuchs.
In Singapur operieren über 80 der größten Pharma- und Biotechnologieunternehmen als Asienzentren. Die Pharmabranche des Landes profitierte zudem von ihrer Rolle als Eingangstor zu asiatisch-pazifischen Märkten, mit 60 Produktionsstätten für Medikamente und 30 Forschungszentren.
Novartis begann 2002 in Singapur mit der Produktion von Arzneimitteln und erweiterte sie 2013 um eine Biotechnologie-Fabrik. Lonza stellt dort unter anderem Zelltherapien her, während Roche ebenfalls über eine Biotech-Anlage verfügt.
Das EDB beschäftigt rund 900 Mitarbeiter weltweit, wobei das Schweizer Büro in Rapperswil nur aus zwei Personen besteht und bei Verhandlungen von der Zentrale unterstützt wird. Die Behörde gibt keine Details zu ihrer Strategie preis, jedoch ist bekannt, dass Singapur die Schweiz als Modell für eine moderne Infrastruktur und hohe Bildungsniveaus sieht.
Singapur versucht sich auf hochwertige Sektoren wie Medikamentenproduktion und -entwicklung sowie Medizintechnik zu fokussieren. Sonova, der weltweit größte Hörgerätehersteller, plant ein Innovationszentrum für erschwingliche Hörlösungen in Zusammenarbeit mit dem EDB.
Obwohl keine Details über mögliche Subventionen oder Steuererleichterungen bekannt gegeben werden, versichert Sonova, dass keine Arbeitsplätze von Stäfa nach Singapur verlagert werden. Die Konzernstrategie zielt darauf ab, in Asien Marktanteile zu gewinnen.
Das EDB prognostiziert bis 2025 die Schaffung von 15.700 Arbeitsplätzen durch neue Investitionen – ein Rückgang im Vergleich zum Rekordjahr 2019. Trotz intensivem globalen Wettbewerb und neuen Herausforderungen durch Klimarisiken und technologische Entwicklungen bleibt die Standortförderung entscheidend.
Dennoch verzeichnen Schweizer Investoren in Singapur einen Rückgang der Arbeitsplätze um 9 Prozent im Jahr 2024. Malaysia, Indonesien und Vietnam ziehen zunehmend mehr Schweizer Firmen an.