“Es ist eine fantastische Mission,” schwärmt Claude Nicollier, der einzige Schweizer Astronaut im Weltraum, in einem Interview mit dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). Er verfolgte die Mondumrundung voller Begeisterung, wobei er die Erde hinter dem Mond verschwinden sah, eine Sonnenfinsternis beobachtete und den Durchflug durch den Schattenkegel der Erde miterlebte.
Der Astronaut mit vier Weltraummissionen im Gepäck hebt auch die spirituelle Dimension dieser Reise hervor. Pilot Victor Glover sprach von der «Liebe» zur Erde und beschrieb sie als «Raumschiff, das alle seine Bewohner an Bord hat». Nicollier ergänzt: “Es gibt oft lyrische und spirituelle Momente dieser Art.” Er betont die enge Verbindung zwischen der Crew und den Menschen auf der Erde.
Technisch stellt diese Mission eine beachtliche Herausforderung dar. «Das haben wir seit über 50 Jahren nicht mehr gemacht, das letzte Mal bei Apollo 17 im Dezember 1972,” erinnert sich Nicollier. Die damaligen Ingenieure sind mittlerweile pensioniert oder verstorben; es ist ein ganz neues Team am Werk.
Das Ziel der Mission, so Nicollier, sei klar: Es gehe darum, «den Schwung für zukünftige bemannte Missionen weit entfernt von der Erde zu starten».
Das Artemis-Programm plant langfristig den Aufbau einer wissenschaftlichen Basis am Südpol des Mondes. Sie soll in Zusammenarbeit mit Europa, Kanada und Japan entstehen.
Nicollier hält das für eine «gute Idee”: Man könne den Mond als natürliche Raumstation nutzen. Diese Basis wird Anfang des nächsten Jahrzehnts errichtet, nach den Missionen Artemis 4 bis 6, um insbesondere der Astrophysik zu dienen. Nicollier betont: “Ohne Atmosphäre bietet der Mond einen enormen Vorteil für die Astrophysik.”
Allerdings steht nun die riskanteste Phase der Mission bevor. Nicollier ist mit den Gefahren des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre vertraut, da er selbst viermal solche Rückkehrflüge absolviert hat.
Für Astronauten sei der Rücktritt immer heikel, betont er. “Aus einer niedrigen Umlaufbahn kehren wir mit etwa 28’000 Stundenkilometern zurück. Vom Mond beträgt die Geschwindigkeit fast 40’000 Stundenkilometer.” Diese höhere Geschwindigkeit stellt beim Wiedereintritt eine große thermische Herausforderung für den Hitzeschutz der Orion-Kapsel dar. Obwohl das System bei Artemis 1 getestet wurde, gibt es laut Nicollier weiterhin Bedenken in dieser Hinsicht.
RTS, 19h30, 7.4.2026; liea