Claude Maurer von BAK Economics zieht Parallelen zwischen dem Krieg mit dem Iran und dem Zollstreit, indem er feststellt, dass US-Präsident Donald Trump aufgrund seines Erfordernisses nach einem Erfolg zwischen Entspannung und Eskalation hin- und herpendelt. Maurer betont, trotz der positiven Reaktionen an den Börsen auf den Waffenstillstand bleibt die Lage prekär aus zwei Gründen: Der Krieg hat bereits erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht, insbesondere durch gestiegene Energiepreise. Diese Inflation wird nicht schnell nachlassen, da viele Ölanlagen im Golf beschädigt sind und Transportversicherungen weiterhin teuer bleiben. Zudem ist die Nachhaltigkeit des Waffenstillstands fraglich.
Maurer vergleicht die Situation mit dem Zollstreit, der ebenfalls von Phasen der Entspannung und Eskalation geprägt war. Die Unsicherheit bleibt das dominierende Thema. Der Nahe Osten bleibt ein gefährliches Pulverfass, da die Entwicklungen schwer vorhersehbar sind.
Die Anreize der beteiligten Parteien spielen eine entscheidende Rolle: Iran hat seine Abschreckungsfähigkeit effektiv genutzt, indem es mit dem Blockieren der Strasse von Hormuz drohte und damit die Weltwirtschaft unter Druck setzte. Diese Drohung zwang Präsident Trump zu einem Kompromiss.
Auch wenn ein Gleichgewicht des Schreckens erreicht wurde, ähnlich wie im Kalten Krieg, bleibt Trumps tatsächliches Ziel unklar und die Kommunikation seiner Regierung widersprüchlich. Dies lässt verschiedene Szenarien offen. Die US-Regierung schien schlecht vorbereitet auf den Konflikt, während die dezentralisierten Befehlsstrukturen der Iraner weiterhin effektiv arbeiteten.
Chinas Position ist durch diese Krise gestärkt worden, da es strategische Ölreserven hat und in Asien sowie Taiwan an Einfluss gewinnt. In Europa und der Schweiz sind die Auswirkungen moderat: Es gibt punktuelle Preiserhöhungen, jedoch keine flächendeckende Inflation wie nach dem Ukraine-Krieg.
Maurer prognostiziert eine Teuerungsrate von 0,6 Prozent für die Schweiz in diesem Jahr und deutlich höhere Werte in den USA. Eine Normalisierung der Ölversorgung dürfte bis Ende des Jahres dauern, da die Terminmärkte weiterhin Unsicherheit widerspiegeln.
Die anhaltende Unsicherheit führt zu einem verringerten Wirtschaftswachstum in der Schweiz, da auch andere Faktoren wie Zölle von Trumps Entscheidungen abhängen. Maurer sieht den Iran-Krieg als eine weitere Front in einer Welt voller Unsicherheiten, die stark von Trumps Aktionen beeinflusst wird.