In einer überraschenden Wendung kündigte der amerikanische Präsident Donald Trump eine zweiwöchige Feuerpause in den Konflikten mit dem Iran an. Netanyahu wurde durch ein Telefongespräch über die Entscheidung informiert, was in Israel zu erhöhtem Druck auf ihn führte. Der Gesprächsverlauf zwischen Trump und Netanyahu blieb unerwähnt, jedoch deutet das plötzliche Telefonat darauf hin, dass es für den israelischen Ministerpräsidenten nicht einfach war.
Netanyahu hatte zu Beginn des Konflikts hohe Erwartungen bei der Bevölkerung geweckt, indem er versprach, gemeinsam mit den USA das iranische Atomprogramm zu stoppen und die Bedrohung durch ballistische Raketen einzudämmen. Ein Regimewechsel in Iran war ebenfalls in Aussicht gestellt worden. Trotz fast sechswöchiger Kampfhandlungen sind diese Ziele jedoch noch nicht erreicht, wie Netanyahus Reaktion auf Trumps Entscheidung zeigt: Er unterstützt die Feuerpause, betont aber gleichzeitig den Wunsch nach dauerhafter Lösung der Iran-Bedrohung. Dies deutet darauf hin, dass die Gefahr keineswegs gebannt ist.
Auch Teheran untermauerte seine Bedrohungsfähigkeit durch weiterhin andauernde Raketenangriffe auf Israel, selbst nach Beginn der Feuerpause. Die militärische Schlagkraft Irans ist zwar reduziert, doch nicht eliminiert – was in der israelischen Opposition zu scharfer Kritik an Netanyahu führt. Yair Lapid von der Partei Yesh Atid kritisierte das strategische Versagen Netanyahus und bemängelte die fehlende Mitsprache Israels bei Entscheidungen, die nationale Sicherheit betreffen.
Yair Golan, ehemaliger Vize-Generalstabschef und Abgeordneter der linken Demokraten-Partei, warf Netanyahu vor, die Öffentlichkeit belogen zu haben. Er beschrieb das Vorgehen als schwerwiegenden strategischen Fehlschlag. Auch innerhalb der Koalition regte sich Unmut; Zvika Fogel von Otzma Yehudit nannte Trump eine Ente.
Die Waffenruhe schließt laut Netanyahu nicht den Kampf gegen Hizbullah im Libanon ein, obwohl dies in Irans Verhandlungsgrundlage vorgesehen ist. Israelische Luftangriffe auf die Miliz setzen sich fort. Die Sorge besteht, dass die Feuerpause Hizbullah zugutekommen könnte.
Die Unsicherheit in Bezug auf die Waffenruhe hält an; das israelische Heimatschutzkommando hat die Sicherheitsvorschriften für Zivilisten noch nicht gelockert. Ron Ben-Yishai, ein führender Sicherheitsexperte, warnte, dass eine Pause Israels Sicherheit erheblich beeinträchtigen könnte, insbesondere bei knappen Ressourcen und erschöpftem Militärpersonal.