Die bevorstehende Parlamentswahl in Ungarn am kommenden Sonntag steht im Rampenlicht, nicht zuletzt wegen der Beteiligung von Wladimir Putins früherer Dolmetscherin bei den Beobachtern. Dies hat zu erheblichen Vorbehalten geführt. Das Rennen ist spannend und das Endergebnis könnte sich über Tage hinziehen, da ausländische Stimmen erst später ausgezählt werden und beide Seiten bereits auf mögliche Streitigkeiten vorbereitet sind.
Hintergrund ist der Vorwurf fremder Einmischung: Während Ministerpräsident Viktor Orban die Ukraine und EU-Mitglieder beschuldigt, greift sein Konkurrent Peter Magyar Russland an. Gesprächsprotokolle zeigen enge Abstimmungen zwischen Budapest und Moskau auf.
In diesem Kontext erregt Daria Bojarskaja Aufmerksamkeit. Die ehemalige russische Diplomatin, die seit 2021 im internationalen Sekretariat der OSZE-PV in Wien arbeitet und früher für Putins Übersetzungen zuständig war, soll eine Beobachtermission leiten. Ihre Rolle ist umstritten, insbesondere nachdem Polen sie 2022 aus Sicherheitsgründen ausschloss.
Das Ungarische Helsinki-Komitee und 56 EU-Parlamentarier fordern ihre Abberufung, um die Missionsglaubwürdigkeit zu schützen. Der Sprecher der PV betont jedoch Bojarskajas normale Tätigkeit im Aussenministerium.
Wichtiger ist die OSZE-Mission des Odihr-Büros mit 250 Experten, das bereits seit Februar den Wahlprozess überwacht. Seit 2014 stuft die Organisation Wahlen in Ungarn als frei, aber nicht fair ein, wegen Regierungsvorteilen und mangelnder Transparenz.
Während des Wahlvorgangs wird der Stimmenkauf erneut thematisiert, besonders durch den Dokumentarfilm “Der Preis einer Stimme”, der Praktiken in armen Regionen aufdeckt. Diese könnten bis zu 7 % der Stimmen betreffen, wie Robert Laszlo von Political Capital schätzt.