Die jüngste Waffenruhe führte dazu, dass erste Frachtschiffe erneut durch die Meerenge von Hormus navigierten, wie Berichte nahelegen. Gleichzeitig melden iranische Medien über angehaltene Öltanker – die Situation bleibt unklar.
Warum ist der Weg um Hormus nicht zu umgehen? Der Persische Golf liegt im Herzen ölreicher Nationen und verbindet sich auf dem offenen Meer durch die Meerenge von Hormus. Claudia Kemfert, eine Ökonomin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), betont: «Diese Route ist kostengünstig, da Länder zerstritten sind und teils kriegerische Konflikte ausfechten. Daher bietet sich die Schiffsroute an.» Ein Landweg kommt nicht in Frage.
Welche Alternativrouten existieren? Zurzeit gibt es nur eine wesentliche Alternative: die Ost-West-Pipeline durch Saudi-Arabien, die als Reaktion auf den früheren «Tankerkrieg» errichtet wurde. Sie endet im Hafen Yanbu am Roten Meer und hat eine begrenzte Kapazität von 8 Millionen Barrel Öl pro Tag – weit weniger als die üblichen 20 Millionen Barrel durch Hormus. Berichten zufolge wurde die Pipeline am 8. April jedoch durch einen iranischen Drohnenangriff beschädigt, wie Reuters und die Financial Times meldeten.
Welche neuen Transportwege könnten sich anbieten? Die meisten Alternativrouten erfordern die Kooperation mehrerer Länder – eine Zusammenarbeit in Kriegszeiten scheint unwahrscheinlich. Kemfert erklärt, dass solche Projekte Jahre dauern würden: «Eine Beschleunigung könnte aufgrund der Knappheit denkbar sein, doch ob sie tatsächlich kurzfristig Alternativen bieten, ist höchst zweifelhaft und unsicher.» Sie sieht diese Überlegungen als Zeichen der Hilflosigkeit angesichts der enormen Mengen von zu transportierendem Öl und Gas.
Was bedeutet dies für Europa? In dieser Lage kann sich Europa relativ komfortabel fühlen, da Länder wie Norwegen, die USA und Kasachstan den Kontinent hauptsächlich mit Öl versorgen. Kemfert sagt: «Europa ist daher nicht direkt von der nahöstlichen Route abhängig, sondern nur indirekt durch höhere Preise.» Diese Preissteigerungen sind jedoch deutlich spürbar. Aus ihrer Sicht spricht alles dafür, die Energiewende rasch voranzutreiben.
Weitere Informationen finden Sie heute Abend um 21:50 Uhr auf SRF 1 oderPlay SRF.