Mit der Drohung von bis zu 100 Prozent Zöllen versucht die USA, Druck auf Pharmafirmen auszuüben, ihre Produktion in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Gleichzeitig sollen weitere Konzessionen von der Schweiz erzwungen werden. Dieses Vorgehen hat bereits im Falle Grossbritanniens Erfolg gezeigt. Donald Trump drohte Pharmaunternehmen, die noch keinen Deal mit der US-Regierung abgeschlossen haben, mit massiven Zöllen auf ihre Medikamente. Diese Ankündigung, unmittelbar vor Ostern gemacht, soll die Unternehmen dazu veranlassen, Produktionsstätten in die USA zu verlegen. Trump hatte bereits Milliardeninvestitionen von zahlreichen großen Pharmafirmen für neue Fabriken erpresst und Abkommen mit siebzehn Firmen geschlossen, um diese vor Zöllen für drei Jahre zu bewahren. Unter den betroffenen Firmen sind auch Novartis und Genentech, die US-Tochter von Roche. Diese Abkommen beinhalten unter anderem das Versprechen, neue Medikamente in den USA nicht teurer als in anderen Industrieländern anzubieten. Sandoz, ehemals die Generika-Sparte von Novartis und ohne Produktionsstätten in den USA, muss sich ebenfalls keine Sorgen machen. Als Herstellerin günstiger Nachahmerprodukte entgeht sie der Kritik wegen hoher Preise. Die Zürcher Kantonalbank glaubt, dass auch das kleine Schweizer Pharmaunternehmen Basilea von den Zöllen verschont bleiben wird. Obwohl Basilea kein Abkommen mit Trump hat, gehen Analysten davon aus, dass seine bedeutenden Antibiotika-Produkte ausgenommen sein werden. Basilea profitiert zudem von US-Fördermitteln bei der Entwicklung eines Anti-Pilz-Mittels. Andere Unternehmen in der Schweiz, die Medikamente für den amerikanischen Markt herstellen und keine Ausnahmen erhalten, sehen sich zwar einem Zollsatz von 15 Prozent gegenüber. Dieser Satz entspricht jedoch dem für EU-Firmen ohne Abkommen mit Trump. Nur Grossbritannien hat bisher eine Null-Zoll-Lösung erreicht, indem es bei der Preisfestsetzung neuer Medikamente Zugeständnisse machte. Diese Maßnahmen sollen die hohen Entwicklungskosten gerechter auf die Länder verteilen. Auch hierzulande wünscht sich die Pharmaindustrie eine vergleichbare Lösung. «Entscheidend ist, dass die Schweiz in den Zollgesprächen mit den USA eine gleichwertige Lösung anstrebt wie Grossbritannien», fordert Interpharma auf Anfrage. Vips weist darauf hin, dass die US-Untersuchung zur Section 301 zu Überkapazitäten noch offen ist und droht, Zölle weiter zu erhöhen. Die Schweiz kann das britische Modell allerdings nicht eins zu eins übernehmen, da ihre Gesundheitsstruktur anders ist. Branchenvertreter schlagen eine «Modernisierung» des Preisfestsetzungssystems vor, um der Schweiz Verhandlungsmacht bei den Zollgesprächen mit den USA zu geben. Interpharma sieht darin einen möglichen Ansatzpunkt. Die Frage bleibt offen, ob und wie die Amerikaner das Thema Medikamentenpreise in die Handelsverhandlungen einbringen werden. Trump hatte Anfang April angekündigt, dass dies mit der EU, Japan, Korea, der Schweiz und Liechtenstein diskutiert wird. Bislang ist dies nicht geschehen. Die Schweizer Pharmapreispolitik ist «nicht Teil der Verhandlungen mit den USA für ein formales Handelsabkommen», so das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Die Frist bis Ende März wurde nicht eingehalten, doch es gibt Fortschritte. Das Seco betont, dass die Schweiz langfristige Zufriedenheit in den wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA anstrebt.