Das Schicksal des gestrandeten Buckelwals Timmy in der Ostsee ist Gegenstand intensiver Untersuchungen. War es Schiffsschraubenverletzungen oder Parasitenbefall, die ihn schwächten? Anja Gallus vom Deutschen Meeresmuseum Stralsund und ihr Team suchen nach Antworten durch eine Obduktion.
Die Biologin Gallus koordiniert die Arbeitsgruppe Meeressäugetiere und leitet das Team, welches den Kadaver entweder per Schwerlasttransport oder Schiff zum Nautineum auf der Insel Dänholm bringt. Aufgrund des stabilen Untergrunds dort ist dies der ideale Ort für die Obduktion.
Das internationale Protokoll dient als Leitfaden: Ein Team von 20 bis 30 Fachleuten nimmt den Wal unter freiem Himmel auseinander, beginnend mit der äußeren Untersuchung und dem Einsatz einer Drohne zur Vermessung. Mit speziellen Flensmessern – großen Messerklingen für die Arbeit ohne Kran oder Motorsäge – wird der 12 Meter lange und bis zu 15 Tonnen schwere Wal zerlegt, während zahlreiche Gewebeproben gesammelt werden.
Die Entfernung des Blubbers erfordert besondere Techniken: tiefgehende Schnitte und Seile zur Abtrennung von Fettpolstern. Die entnommenen Organe werden auf Schäden, Parasiten sowie Viren und Bakterien untersucht, um die Todesursache zu klären. Langfristig dient eine Probearchivierung weiterer Forschung.
Obwohl kein vollständiges Skelett für Ausstellungen geplant ist, können Knochen für zukünftige Anfragen konserviert werden. Die Obduktion dauert mit dreißig Personen zwei Tage, unter Berücksichtigung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen.
Die Arbeit birgt Herausforderungen wie den Umgang mit Geruch und Glitschigkeit. Wissenschaftlich wertvoll sind frisch verendete Tiere, um die Verwesung zu verzögern und intakte Organe zu analysieren. Sicherheitsbedenken durch Drohungen und Anfeindungen erfordern besondere Vorsichtsmaßnahmen während der Sektion.