Der 31-jährige Wout van Aert gilt als einer der weltbesten Radprofis, doch ihm fehlt ein Triumph bei der Flandern-Rundfahrt oder Paris–Roubaix. Kann sich das am kommenden Sonntag ändern? An der letzten Etappe der Tour de France 2025 in Paris wird Wout van Aert zur Legende. Dreimal erklimmt er den steilen Montmartre, ehe er die Spitzengruppe überflügelt und letztlich auch Tadej Pogacar hinter sich lässt. Mit einem triumphalen Sieg auf den Champs-Élysées zeigt van Aert seine Rückkehr: «Ich bin noch da!» Van Aert ist ein Ausnahmeathlet, der bereits zehn Etappen der Tour de France für sich entschieden hat – ob im Sprint, Zeitfahren oder als Solist und in anspruchsvollen Bergankünften über den Mont Ventoux. Trotz seiner Erfolge, darunter das Tragen des Gelben Trikots und zahlreiche Welt- und Olympiamedaillen, fehlt ihm ein entscheidender Sieg. In Flandern, van Aerts Heimat, steht der Radsport im Frühjahr im Mittelpunkt. Millionen Menschen feierten am Sonntag entlang der Strecke der Flandern-Rundfahrt. Obwohl er und Experten optimistisch waren, dass seine Form gut sei, erreichte van Aert lediglich den vierten Platz – ein wiederkehrendes Szenario in jüngster Vergangenheit. Seit seinem Sieg bei Mailand–Sanremo 2020 fehlt ihm der Erfolg in Flandern oder Roubaix. In einem Podcast seines Teams Visma äußerte er: «Ich verfolge diese Siege seit Beginn meiner Karriere.» Historische belgische Champions wie Johan Museeuw und Tom Boonen prägten die Klassiker, doch seit neun Jahren wartet Flandern auf einen Heimsieg bei der «Ronde». Belgien hatte zuletzt 2016 mit einem Wallonen gewonnen – ein Aspekt, der in van Aerts Region eine Rolle spielt. Van Aert lebt in Herentals, wo er auch trainiert. Er genießt den Status eines Pop-Stars unter Fans und trägt die öffentlichen Erwartungen auf sich. Er gibt zu: «Ich wurde beim Bäcker oder im Freundeskreis über meine Niederlagen bei der ‚Ronde‘ oder Roubaix angesprochen.» Experten wie Ex-Profi Boonen kritisieren ihn für einen fehlenden «Killerinstinkt». Van Aert selbst sagte: «Früher hat mich die Erwartungshaltung gelähmt, aber mit zunehmendem Alter wird es leichter.» Er ist ein Perfektionist, dessen Niederlagen in den Klassikern lange nachwirken. Konkurrenten wie Tadej Pogacar und Mathieu van der Poel stellen ihm oft eine unüberwindbare Hürde dar. Pogacar dominiert mittlerweile die Monumente, während van der Poel bereits drei Siege bei Flandern und Roubaix verbuchen konnte. Van Aerts Vielseitigkeit ist paradoxerweise auch seine Achillesferse. Als «Superknecht» unterstützt er Teamkollegen wie Jonas Vingegaard oder Simon Yates in großen Rundfahrten, was seine Konzentration auf die Frühjahresklassiker erschwert. Verletzungen haben ihn zudem zurückgeworfen – ein Kampf, den er als Vater besonders hart empfand. Dennoch kehrte van Aert zurück und triumphierte nach einem Etappensieg beim Giro d’Italia mit dem Sieg auf den Champs-Élysées. Am kommenden Sonntag bei Paris–Roubaix, der 258,3 Kilometer langen Herausforderung mit 30 Pavé-Sektoren, wird er alles geben und von einem Mann getrieben, dessen Hunger nach diesen prestigeträchtigen Siegen ungebrochen ist.