Kürzlich noch als Freund gepriesen, fällt der deutsche Kanzler Friedrich Merz nun in Ungnade bei US-Präsident Donald Trump. Dies könnte weitreichende Folgen haben. Zunächst schien es so, als hätte Merz den amerikanischen Präsidenten beruhigt. Trumps Ton über Deutschland änderte sich von kritisch zu lobend, besonders nach dem mutmaßlichen Kurswechsel in der Migrations- und Energiepolitik. Der US-Präsident bezeichnete ihn sogar als Freund – ein Zeichen dafür, dass die Beziehungen zwischen beiden Nationen wieder an Boden gewannen. Doch der Konflikt um Iran hat alte Bruchlinien sichtbar gemacht und zu einer Verschlechterung geführt. Trump empörte sich über Merz’ Aussage, dass der Krieg gegen den Iran nicht Deutschlands sei – eine Äusserung, die tatsächlich vom deutschen Verteidigungsminister Boris Pistorius kam. Dennoch entstand ein negativer Eindruck: «Die Ukraine ist auch nicht unser Krieg, aber wir haben geholfen», erwiderte Trump. Trump betonte zudem die historische Unterstützung der USA für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und kritisierte deren Abstandnahme zum Iran-Konflikt. Er bezweifelte sogar, ob man Deutschland noch strategische Informationen anvertrauen könne: «Sie wollten alles wissen, was wir planten», sagte er mit Verweis auf die Angriffe gegen den Iran. Die Kritik geht nun über Deutschlands Haltung zu Iran hinaus und offenbart eine tiefere Entfremdung. Der einflussreiche Senator Lindsey Graham kritisierte Deutschland, Frankreich und Grossbritannien für ihr kollektives Versagen und ihre Verhandlungsbereitschaft mit «religiösen Nazis». Aussenminister Marco Rubio bezweifelte gar die Zukunft der Nato, wenn Europa den USA im Ernstfall nicht helfe. Dieses Gefühl des Verrats bietet Trump Anlass, die transatlantische Partnerschaft grundsätzlich zu hinterfragen – insbesondere mit Deutschland. Peter Rough vom Hudson Institute in Washington sieht eine echte Krise und betont die hohe Frustration unter den Republikanern gegenüber Europa. Merz schien anfangs alles richtig gemacht zu haben, indem er sich von völkerrechtlichen Bewertungen distanzierte und Solidarität mit den USA zeigte. Doch seine Unterstützung schwand schnell wieder. Nach einem Besuch in Washington, wo er die US-Politik unterstützte, änderte Merz bei einem norwegischen Aufenthalt seine Haltung: «Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges», sagte er. Trump interpretierte dies als Unzuverlässigkeit. Ein weiterer Kritikpunkt war die fehlende Unterstützung Deutschlands für die amerikanisch-israelische Mission gegen den Iran, was aus Sicht der USA eine Bedrohung darstellt. Rough argumentiert, dass auch Deutschland ein Interesse an globalen Handelsrouten habe und die Strasse von Hormuz wichtig sei. Es bleibt fraglich, ob Merz Trumps negativen Eindruck revidieren kann, da dieser als nachtragend bekannt ist. Die Folgen für Deutschland könnten gravierend sein, wie eine Überprüfung der Nato-Beziehungen oder ein Abzug von US-Truppen aus Europa. Trotzdem erlaubte Deutschland den USA weiterhin die Nutzung seiner Militärbasen und versprach Unterstützung bei der Sicherung der Schifffahrtswege in der Strasse von Hormuz. Ob Washington dies als Zeichen des guten Willens auffasst, wird sich zeigen. In Zukunft könnte entschieden werden, ob die kurze Freundschaft zwischen Merz und Trump den Belastungen standhält – oder ob eine neue Eiszeit beginnt.