Ein Mangel an sexueller Aktivität kann nach Ansicht eines deutschen Mediziners erheblich zur Zunahme von Stress und Frust führen. Christoph Nitsche, ein Facharzt für Innere Medizin, betont im Gespräch mit dem «Focus», dass die fehlende körperliche Nähe sowohl auf körperlicher als auch auf psychischer Ebene negative Auswirkungen haben kann. Sex fördert das Wohlbefinden durch Hormone wie Oxytocin und Endorphine, baut Stress ab und unterstützt erholsamen Schlaf. Zudem profitiert das Herz-Kreislauf-System sowie das Immunsystem von regelmäßiger sexueller Aktivität.
Nitsche warnt vor den psychischen Belastungen einer sexlosen Beziehung, da sie Frustration, Unsicherheit und emotionale Distanz verstärken kann. Während einige Paare die Enthaltsamkeit gut verkraften, empfinden andere sie als belastend. Entscheidend ist, dass die Bedürfnisse beider Partner berücksichtigt werden, um eine erfüllende Beziehung zu gewährleisten.
Der Arzt rät dazu, Stress durch alternative Aktivitäten wie Sport, Yoga oder Meditation abzubauen und betont die Wichtigkeit der Kommunikation. Nur offene Gespräche über sexuelle Wünsche können helfen, Distanz in Beziehungen zu vermeiden. Hinter einer fehlenden Sexualität können körperliche Ursachen wie hormonelle Veränderungen oder chronische Krankheiten stehen.
Psychologische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle; Stress, Ängste und ungelöste Konflikte hemmen oft die Lust. Eine umfassende medizinische Untersuchung sowie therapeutische Unterstützung sind laut Nitsche essenziell, um Ursachen zu identifizieren.
Eine Studie des Schweizer Erotikexperten Amorana aus dem Jahr 2024 mit 1000 Teilnehmern zeigt, dass etwa 56 Prozent der Befragten unzufrieden mit ihrem Sexleben sind. Ein Grund dafür ist die Unfähigkeit, zum Höhepunkt zu kommen; viele Frauen geben an, gelegentlich einen Orgasmus vorzutäuschen.
Eine weitere Untersuchung im «Journal of Sex Research» zeigt eine abnehmende sexuelle Aktivität bei Jugendlichen in 33 Ländern. Besonders Männer zeigen vermehrt Desinteresse, was möglicherweise mit sinkenden Testosteronspiegeln zusammenhängt. Krankheiten wie Diabetes beeinträchtigen ebenfalls die Lust.
Die leichtere Verfügbarkeit von Pornografie könnte zudem negativ auf das sexuelle Verlangen wirken, wie Experten erklären.