Im Parlament haben SP, Grüne und Mitte-Partei in Bereichen wie Finanz-, Sozial- und Migrationspolitik vermehrt Erfolge erzielt. Um eine politische Gegenmacht zu bilden, müssten die rechtsbürgerlichen Parteien geschlossen auftreten. Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen FDP und SVP erschiene daher sinnvoll. Doch stattdessen dominiert in Fragen der Zuwanderung, Aussen- und Neutralitätspolitik sowie in Europafragen die Kritik. Die FDP attackiert die SVP zunehmend heftig, wobei ihre Vorstösse als chaotisch oder gar als “Putin-Initiativen” bezeichnet werden.
Ein markantes Beispiel dieser Konfrontation ist der Solothurner FDP-Nationalrat Simon Michel. In einem Interview mit der Finanz und Wirtschaft äussert er sich unmissverständlich: “Die SVP hat sich von einer Randpartei in den Siebzigerjahren zur grössten Partei der Schweiz entwickelt, indem sie auf Fremdenhass und EU-Feindlichkeit setzte. Herr Blocher sollte jetzt endlich zurücktreten.” Solche Aussagen gelten als offene Kampfansage.
Unter diesen Voraussetzungen stellt sich die Frage nach der Möglichkeit eines konstruktiven Konsenses innerhalb des bürgerlichen Lagers. Währenddessen können SP, Grüne und Mitte-Partei von den internen Konflikten profitieren. Solange die Bürgerlichen sich gegenseitig blockieren, sichern sie ihren politischen Erfolg indirekt ab. Ohne eine strategische Neuausrichtung droht das bürgerliche Lager weiter an Einfluss zu verlieren – nicht aufgrund mangelnder Unterstützung, sondern wegen fehlender Geschlossenheit.