Das Londoner Verteidigungsministerium hat enthüllt, wie Russland Sabotageakte gegen Infrastruktur im Nordatlantik geplant hatte. Diese Pläne wurden rechtzeitig aufgedeckt, wodurch Schaden verhindert werden konnte.
Über einen Zeitraum von mehr als einem Monat spionierten russische U-Boote britische Pipelines und Unterwasserkabel im Nordatlantik aus, wie Verteidigungsminister John Healey am Donnerstag bekannt gab. Ziel war Sabotage, die jedoch vereitelt werden konnte. Die genauen Orte blieb er vage, erwähnte aber möglicherweise Pipelines zwischen Grossbritannien und Norwegen.
Healey zitierte Putin mit den Worten: «Wir sehen euch.» Er fügte hinzu, dass jede Beschädigung dieser Infrastruktur nicht geduldet werde und Konsequenzen nach sich ziehe. Diese Aktivitäten erfolgten während der globalen Aufmerksamkeit auf den Nahen Osten.
Laut Healey waren ein atomgetriebenes Jagd-U-Boot sowie zwei unbemannte Spionage-U-Boote, die sogenannten Gugi-Miniunterseeboote, im Einsatz. Diese sind mit Scheren ausgestattet, um Kabel durchzuschneiden. Das Jagd-U-Boot diente vermutlich als Ablenkung.
Die britische Seite beobachtete diese Manöver rund um die Uhr gemeinsam mit Norwegen und anderen Alliierten. Eine Fregatte, Flugzeuge und Hunderte von Soldaten waren dabei beteiligt. Die U-Boote sind nun offenbar nach Norden abgezogen, ohne dass Schäden festgestellt wurden.
Als Inselnation ist Grossbritannien auf seine Unterseekabel angewiesen: Sie liefern etwa die Hälfte des Gases zur Heizung und 99 Prozent der internationalen Datenkommunikation. Rund sechzig Kabel verbinden das Land mit dem globalen Netzwerk, was eine ständige Überwachung unmöglich macht.
Seit Russlands Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 häufen sich Schäden an Infrastruktur in der Ostsee. Die Nato hat daraufhin ihre Präsenz verstärkt. Healey kündigte eine Aufstockung der Mittel gegen solche Bedrohungen an und betonte, dass Russland die grösste Gefahr bleibt.
Bereits im November hatte das russische Forschungsschiff «Jantar» für Unruhe gesorgt, indem es wochenlang vor Schottlands Küste kreuzte. Piloten wurden bei Aufklärungsflügen geblendet. Healey stuft die aktuelle Lage als sehr gefährlich ein und hält militärische Optionen offen. Der Vorfall gilt als raffinierter im Vergleich zu früheren Aktionen.