In Dinant, einer belgischen Kleinstadt, müssen sich die Einwohner vor einem Mäusebussard in Acht nehmen: Der Vogel greift wiederholt Menschen an. Nachdem er von den Behörden eingefangen wurde, haben Unbekannte ihn freigelassen. Experten empfehlen den Bürgern, sich draußen mit einem Regenschirm zu schützen. Auch in der Schweiz treten solche Vorfälle gelegentlich auf. Livio Rey von der Vogelwarte Sempach erläutert die Gründe für diese Angriffe und gibt Schutztipps.
Livio Rey, Mediensprecher bei der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, hat sich mit Naturschutzbiologie an der Universität Bern spezialisiert. Im Gespräch mit SRF News erklärte er: “Solche Angriffe können auch in der Schweiz passieren und es werden jährlich rund ein Dutzend Fälle registriert”.
Warum greifen Mäusebussarde Menschen an? Die meisten Vorfälle ereignen sich zwischen Mai und Juli, wenn die Vögel ihre Jungen verteidigen wollen. Ein erster Angriff in Belgien wurde jedoch bereits im Februar verzeichnet, zu einem Zeitpunkt ohne Jungvögel. Eine mögliche Erklärung: Der Vogel könnte von Menschen aufgezogen worden sein und dadurch fehlgeprägt sein. In solchen Fällen kann er Menschen als Konkurrenten oder als Quelle für Aufmerksamkeit und Nahrung ansehen, was zu ungewöhnlichem Verhalten führt. Experten raten dringend davon ab, gefundene Wildvögel selbst aufzuziehen und stattdessen die Vogelwarte oder eine Pflegestation zu kontaktieren.
Sind diese Angriffe für Menschen gefährlich? Normalerweise nicht. Der Mäusebussard greift von hinten an, um Menschen aus seinem Revier zu vertreiben und seine Jungen zu schützen. Meistens entstehen nur Kratzer. Dennoch sollten betroffene Personen einen Arzt aufsuchen, insbesondere bei blutenden Wunden.
Wie kann man Angriffe vermeiden? Jogger sind besonders gefährdet. Um Attacken vorzubeugen, sollte man in Gebieten mit bekanntem Bussard-Problem entweder meiden oder stattdessen spazieren gehen statt joggen.
Greifen andere Vogelarten Menschen an? Solche Vorfälle sind fast ausschließlich auf Mäusebussarde beschränkt. Trotz der Aufmerksamkeit, die diese Fälle erregen, ist der Mäusebussard in der Schweiz mit 15.000 bis 20.000 Brutpaaren sehr verbreitet und Angriffe bleiben selten. Daher kann man weiterhin sorgenfrei den Wald genießen.
Das Gespräch führte Katrin Hiss. (SRF 4 News, 10.04.2026)