Am 1. Dezember 1996 steht Christoph Blocher vor dem SRF-Mikrofon, nachdem die Volksinitiative der SVP gegen illegale Einwanderung mit 54 Prozent abgelehnt wurde. Trotz des Misserfolgs sieht er sich nicht am Ende seiner politischen Laufbahn: “Diese Freude kann ich meinen Gegnern nicht machen. Jetzt erst recht nicht. Wenn wir gewonnen hätten, wäre vielleicht alles erfüllt gewesen, dann hätte ich vielleicht abtreten können.” In den folgenden Jahren etabliert die SVP Europa und Zuwanderung als zentrale Themen, was zur Positionierung als stärkste Partei des Landes führt.
Mit immer neuen Volksinitiativen gegen den Widerstand von Bundesrat, Parlament und Wirtschaftsverbänden, welche das «Erfolgsmodell Schweiz» bedroht sehen, propagiert die SVP den «Sonderfall Schweiz». Sie warnt vor Souveränitätsverlust und unkontrollierter Öffnung. Die traditionelle auf Kompromisse ausgerichtete Schweizer Politik wird durch die polarisierenden Kampagnen der SVP herausgefordert. Seit 1999 führt sie kontinuierlich in den nationalen Wahlen.
Als die Partei 2012 mit der Initiative «Gegen Masseneinwanderung» (MEI) antritt, merkt die Tagesschau an: “Die SVP ist allein auf weiter Flur.” Trotz geringer Erfolgsaussichten glaubt man am Durchbruch dank Christoph Blochers Entschlossenheit. Am 9. Februar 2014 wird die MEI knapp mit 50,3 Prozent Ja-Stimmen angenommen und startet eine lange Debatte um ihre Umsetzung.
Das Parlament entwickelt einen «Inländervorrang light», was bei der SVP Empörung auslöst. Der Fraktionschef Adrian Amstutz spricht von einem “in Hochglanz verpackten Verfassungsbruch”, und der damalige Parteipräsident Albert Rösti reagiert gereizt. Die hitzige Debatte im Nationalrat entpuppt sich als Politshow für das Publikum, während Themen wie EU und Zuwanderung die Massen mobilisieren. Bei den Wahlen 2015 erreicht die SVP mit 29,4 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis.
Jedoch wendet sich der Wind bei der «Klimawahl» 2019: Die SVP erleidet empfindliche Verluste. Zwölf Jahre nach dem Ja zur MEI tritt sie am 14. Juni mit der Initiative «Keine 10-Mio-Schweiz» erneut an, gegen eine breite Opposition von Wirtschaft und Politik. Dennoch sind die Chancen für einen Coup nicht ausgeschlossen.
Der aktuelle Abstimmungskampf wirkt leiser als frühere Auseinandersetzungen, doch das Thema Zuwanderung erlebt ein Comeback in der öffentlichen Wahrnehmung. Dies zeigt auch die jüngsten Wahlerfolge der SVP auf kantonaler Ebene. Die politischen Gegner sind alarmiert und erwarten einen steigenden Lärmpegel im Kampf um Europa.
SRF 4 News, 02.04.2026, 14 Uhr