Für knapp einen Tag soll es während des orthodoxen Osterfests im russischen Konflikt gegen die Ukraine eine Feuerpause geben. Moskau hat sich nach mehreren Vorschlägen Kiews nun zur Teilnahme bereit erklärt. Präsident Wladimir Putin kündigte an, dass von Samstagnachmittag bis zum gesamten Sonntag keine Angriffe stattfinden werden, wie der Kreml bekannt gab.
Präsident Wolodimir Selenski unterstützte die Initiative und äußerte sich auf sozialen Netzwerken: «Wir hatten bereits eine Waffenruhe für die Osterfeiertage vorgeschlagen und setzen sie um.» Die Menschen verdienten ein friedliches Fest ohne Gefahren, schrieb er weiter. Er regte an, darüber nachzudenken, diese Ruhe über das Osterfest hinaus zu verlängern. Selenski betonte die Gelegenheit für Russland, auch nach Ostern nicht zum Angriff zurückzukehren und erwähnte Kiews Bereitschaft zu gegenseitigen Schritten.
Seit Ende März hatte die Ukraine wiederholt eine Feuerpause über Ostern vorgeschlagen. Orthodoxe Christen in der Ukraine und in Russland feiern das Fest erst kommenden Sonntag.
Die Ukraine verteidigt sich seit fast vier Jahren mit Unterstützung des Westens gegen eine umfassende russische Invasion. Zahlreiche Versuche, die Waffen zeitlich begrenzt ruhen zu lassen, gab es schon. Im Vorjahr kündigte Putin ebenfalls eine Feuerpause über Ostern an und gab auch während der Gedenktage im Mai eine Ruhezeit bekannt. Eine Weihnachts-Waffenruhe wurde jedoch abgelehnt. Beide Seiten warfen sich in der Vergangenheit gegenseitig Verstöße vor.
Während Kiew die Feuerpause als Schritt zum Frieden betrachtet, legt Moskau den Fokus auf bestimmte Konfliktpunkte. Russland fordert unter anderem, dass ukrainische Truppen sich aus dem unkontrollierten Teil des Donbass zurückziehen – eine Forderung, die Kiew stets ablehnte.
Die USA versuchen, den Konflikt zu vermitteln. Zuletzt trafen sich Vertreter der Ukraine und Russlands in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie der Schweiz zu direkten Gesprächen, bei denen die USA als Vermittler fungierten. Die Verhandlungen führten jedoch nicht zum Durchbruch, obwohl anschließend Hunderte Kriegsgefangene ausgetauscht wurden. Ein Iran-Konflikt verzögert eine neue Runde in diesem Format.