China erlebt eine Trendwende in der negativen Preisspirale, getrieben durch den Anstieg der Rohstoffkosten infolge des Konflikts im Iran. Nach 41 Monaten ohne Anpassungen haben chinesische Produzenten ihre Preise erhöht. Der Produzentenpreisindex (PPI) stieg im März im Vergleich zum Vorjahr um 0,5 Prozent, wie das nationale Statistikamt bekanntgab.
Die Energiekostensteigerungen könnten die Preisrückgänge stoppen, so einige Ökonomen. Das liegt daran, dass Unternehmen ihre Produkte nicht mehr zu vorherigen Preisen anbieten können. Die deflationären Bedingungen in den letzten Jahren hatten Kauf- und Investitionsentscheidungen verzögert, da erwartet wurde, dass die Preise weiter fallen würden. Yan Se, ein Professor für politische Ökonomie an der Peking-Universität, betont, dass sich dadurch eine Nachfrage gestaut hat. Steigende Preise könnten nun einen psychologischen Effekt auslösen: Menschen werden ungeduldiger und handeln eher.
Trotz der historischen Beispiele der 1970er Jahre, die hohe Rohstoffpreise mit geringem Wachstum in Verbindung brachten, ist für eine Volkswirtschaft nach langer Deflation ein Preisanstieg vorteilhaft. Er verändert Erwartungen positiv.
Zudem profitiert China von einem weltweit gestiegenen Interesse an grünen Technologien. Mit führender Position bei der Produktion von E-Autos, Batterien sowie Solar- und Windanlagen wird die Nachfrage nach chinesischen Produkten weiter steigen. Dieser Trend wird durch Chinas Investitionen in erneuerbare Energien unterstützt.
Jacky Tang, Chief Investment Officer für Schwellenmärkte bei der Deutschen Bank, erklärt: “China ist aus wirtschaftlicher Sicht und im Kontext des Energiemixes ein Gewinner dieses Konflikts.” Die Exporte von Elektro- und Hybridautos aus China haben sich im März mehr als verdoppelt. Besonders BYD, der weltweit größte Hersteller elektrifizierter Fahrzeuge, konnte seine Exporte um 140 Prozent steigern.
In Deutschland stieg die Anzahl der Zulassungen für Elektrofahrzeuge im März um über 66 Prozent. Doch trotz des Wachstums bei grünen Technologien bleibt der Binnenkonsum in China schwächer als erwartet, was sich in langsameren Verbraucherpreissteigerungen zeigt. Der Verbraucherpreisindex (VPI) erhöhte sich im März um 1 Prozent, während Experten ein Plus von 1,2 Prozent prognostiziert hatten.
Die Autoindustrie reflektiert die Widersprüchlichkeit: Während Exporte steigen, verzeichnet BYD einen Rückgang der Verkaufszahlen in China. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sanken die Absatzzahlen um mehr als 40 Prozent.