Seit dem Skandal um Jeffrey Epstein wird in sozialen Netzwerken diskutiert, ob es eine überproportionale Anzahl jüdischer Sexualstraftäter gibt. Tatsächlich ist Epstein Jude, was zu hitzigen Debatten geführt hat. Wichtig ist festzuhalten: Juden sind weder besser noch schlechter als andere. Der Begriff der «Auserwähltheit» wird in theologischen Kreisen diskutiert, aber die Realität zeigt: Menschen aller Ethnien und Glaubensrichtungen haben sowohl positive als auch negative Vertreter. Schiller formulierte es poetisch als Brüderlichkeit, doch die Praxis sieht anders aus – wie im Fall von Epstein, der ein Beispiel für Machtmissbrauch ist.
Die Sichtbarkeit jüdischer Persönlichkeiten in bestimmten Branchen ist oft das Ergebnis von Bildungsorientierung und Netzwerken. Die Verbindung zwischen Einfluss, Kapital und Missbrauch zeigt sich jedoch nicht nur unter Juden. Beispiele wie Jimmy Savile oder Larry Nassar unterstreichen, dass Machtmissbrauch ein breiteres Problem ist.
Jüdische Traditionen betonen den Respekt gegenüber Frauen, wobei historische Fakten zeigen, dass jüdische Ehen oft stabiler sind. Die Diskussion um Beschneidung in Deutschland zeigt das komplexe Verhältnis zur Sexualität in verschiedenen Kulturen.
Antisemitismus benötigt keine Beweise, aber die Causa Epstein bietet keinen Anlass für solche Vorurteile. Epstein war mit vielen Nichtjuden verbandelt, was auf ein interkonfessionelles Netzwerk hinweist.
Die menschliche Neigung zu Macht und Sexualität betrifft Menschen aller Glaubensrichtungen. Historische Beispiele zeigen, dass Männer in Judentum, Christentum und Islam oft als triebgesteuert angesehen werden. Diese Perspektive spiegelt sich auch in der Einstellung zur Polygamie oder Verhüllung von Frauen wider.
Michael Wolffsohn, Historiker und Publizist, hat zu Themen wie Herbert von Karajan und jüdischer Geschichte geschrieben. Seine Beobachtungen zeigen: Positionseliten zerstören oft ihre eigenen Lebenswelten – ein universales historisches Phänomen.