Das Kunsthaus Zürich zeigt die Dauerleihgabe der Stiftung Bührle in einer umfangreichen, aber unkommentierten Präsentation. Die Werke sind ohne Beschriftungen ausgestellt. Lange Zeit nicht zugänglich, wurde die Sammlung nun nach Monaten Vorbereitung präsentiert. Unter dem Namen «Salonhängung» oder «Petersburger Hängung», wird sie als dicht gedrängte Gemäldeausstellung angepriesen, wobei nur die Hälfte des Chipperfield-Baus genutzt wird. Dies soll signalisieren, dass noch Arbeit an der Sammlung erfolgt und sie nicht vollständig vorzeigbar ist.
Alle 205 Kunstwerke sind zu sehen, auch solche mit mutmaßlich problematischer Herkunft, die aus früheren Ausstellungen entfernt wurden. Die Werke sind chronologisch nach Entstehungsjahr angeordnet und dicht an den Wänden aufgereiht. Ein separater Raum ist für Skulpturen reserviert, darunter mittelalterliche religiöse Figuren sowie Edgar Degas’ berühmte Plastik «Kleine vierzehnjährige Tänzerin».
Diese Präsentationsweise erinnert mehr an eine Auslage eines Lagerbestands als an eine museale Schau. Die Beschilderung erfolgt über eine Broschüre, da die Werke aufgrund der dichten Hängung nicht beschriftet sind. Der Parcours beginnt mit Joachim Patinirs «Taufe Christi» aus dem 16. Jahrhundert und führt durch niederländische Malereien des Goldenen Zeitalters, französische Werke des 19. Jahrhunderts bis hin zu Meisterwerken der klassischen Moderne.
Die beeindruckende Fülle dieser Sammlung wird in dieser Präsentationsform fast überwältigend dargestellt und gibt Einblick in Emil Bührles Sammelenthusiasmus. Obwohl Werke wie Vincent van Goghs «Sämann», Claude Monets «Seerosenteich» oder Pablo Picassos «Italienerin» zu sehen sind, wird deutlich, dass die Qualität der Sammlung heterogen ist.
Die Ausstellung zeigt nahezu alles, ohne eine Auswahl des Besten. Bekanntes wie Paul Cézannes «Knabe mit der roten Weste», ausgeliehen an die Fondation Beyeler, fehlt hier. Stattdessen werden selbst Fälschungen gezeigt, etwa das Vincent van Gogh zugeschriebene «Selbstbildnis», welches Emil Bührle für 185 000 Franken erwarb.
Ein großer Touchscreen informiert über alle Sammlungsstücke mit Details zu Provenienz, Kaufdatum und Preis sowie zur Frage nach Raubkunst. Ein Beispiel für einen «Verfolgungskontext» ist Gustave Courbets Werk, das aufgrund von NS-Raubkunst als entzogen gilt. Die Stiftung Bührle sucht eine Lösung gemäß der Washingtoner Richtlinien.
Auch problematische Werke wie Amedeo Modiglianis «Liegender Akt» werden präsentiert. Der Historiker Raphael Gross identifizierte 2024 jüdische Vorbesitzer als NS-Verfolgte, was die Einstufung vieler Kunstwerke mit «Verfolgungskontext» beeinflusste.
Die Provenienzforschung weist Lücken auf, etwa bei van Goghs «Kopf einer Bäuerin», das einst im Besitz des jüdischen Sammlers Gustav Schweitzer war. Auch als Raubkunst geltende Werke werden ausgestellt, wie Renoirs Porträt der kleinen Irène Cahen d’Anvers, dessen Geschichte in einem gesonderten Raum erläutert wird.
Die aktuelle Präsentation ist eine Übergangslösung. Die Sammlung soll 2027/2028 endgültig gezeigt werden und bildet das Herzstück des Chipperfield-Baus. Frühere Ausstellungsversuche, die sich auf jüdische NS-Opfer konzentrierten, waren umstritten.
Ein neues Konzept soll künftige Präsentationen von der Vergangenheit befreien, doch ob und wann dies gelingt, bleibt ungewiss. Die Stiftung Bührle erwägt sogar einen möglichen Abzug ihrer Sammlung aus Zürich.