In einer beispiellosen Initiative seit Kriegsbeginn treffen sich Delegationen aus dem Iran und den USA in Islamabad zu direkten Verhandlungen. Israel bleibt jedoch fern, was die Gespräche zusätzlich erschwert.
Sechs Wochen nach Kriegsausbruch trafen am Samstag die iranischen und amerikanischen Unterhändler in Pakistan ein. Der amerikanische Vizepräsident J.D. Vance landete am Morgen in der Hauptstadt, während die Iraner bereits am Abend vorher ankamen. Die beiden Teams werden im Fünf-Sterne-Hotel zusammenkommen, um unter pakistanischer Vermittlung über das Ende der Kampfhandlungen zu verhandeln.
Angeführt wird das iranische Team von Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf, einem ehemaligen Luftwaffenkommandanten mit engen Verbindungen zu den Revolutionsgarden. Seine Ernennung spiegelt die Machtverhältnisse im Iran wider. Aussenminister Abbas Araghchi, Zentralbankchef Abdol-Nasser Hemmati und Ali-Akbar Ahmadian vom Verteidigungsrat sind ebenfalls dabei.
Die iranische Delegation kam am Freitagabend verspätet in Islamabad an, was Zweifel an ihrer Teilnahme aufkommen liess. Ghalibaf drohte mit einer Absage der Gespräche, sollte Israel nicht eine Feuerpause einhalten oder die USA ihre eingefrorenen Vermögenswerte nicht freigeben.
Präsident Trump hingegen betont, dass die Iraner aus Schwäche heraus verhandeln. Er schrieb auf Truth Social, sie hätten nur “keine Karten” als kurzfristige Bedrohung der internationalen Seewege und seien lediglich noch am Leben, um zu verhandeln. Vance, der die Gespräche leiten wird, äusserte sich hoffnungsvoller, warnte aber vor iranischen Tricks.
Das Misstrauen ist gegenseitig: Die Iraner sind skeptisch gegenüber Trump, nachdem er 2018 das Wiener Atomabkommen aufgekündigt hatte und im Juni sowie Februar Angriffe auf den Iran geführt hat. Vance gilt als akzeptabler Gesprächspartner, da er sich vor Kriegsbeginn dagegen ausgesprochen hatte.
Zum amerikanischen Team gehören neben Vance Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Sondergesandter Steve Witkoff. Die Verhandlungen finden im Hotel Serena statt, das von über 10.000 Sicherheitskräften bewacht wird. Bei ihrer Ankunft wurden die Iraner vom Aussenminister Ishaq Dar und Armeechef Asim Munir empfangen. Pakistan sieht sich durch die Ausrichtung der Gespräche diplomatisch gestärkt.
Ein Durchbruch in Islamabad gilt als unwahrscheinlich, doch es bleibt zu beobachten, ob ein Rahmen für weitere Friedensgespräche gefunden werden kann. Iran pocht auf sein Recht zur Urananreicherung, während die USA dies ablehnen. Die Anlagen in Fordo, Natanz und Isfahan sind stark beschädigt.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Strasse von Hormuz, durch die nur wenige Schiffe fahren konnten. Ajay Banga von der Weltbank warnte vor wirtschaftlichen Folgen einer Blockade. Robert Malley sieht den Iran im Vorteil: Eine Wiederaufnahme des Krieges würde den USA zunehmend schaden.
Die israelischen Luftangriffe auf Libanon stellen eine weitere Herausforderung dar. Israel hält sich nicht an die vereinbarte Waffenruhe, was Druck auf den Friedensprozess ausübt. Frankreich und andere Länder kritisieren Israels Vorgehen. Iran betont seine Unterstützung für Verbündete in Libanon.
Nach Drohungen Irans mit einer Absage der Verhandlungen soll Trump Netanjahu gedrängt haben, die Angriffe zu reduzieren. Israel setzte zwar den Bombenhagel fort, verzichtete aber auf weitere Schläge gegen Beirut. Ob die Gespräche in Islamabad erfolgreich sein werden, hängt entscheidend von Trumps Einfluss über Israel ab.