Renato Kaiser, bekannt für seine eloquente Art, präsentiert seinem Publikum kontinuierlich provokante Gedanken. Seine Darbietungen sind so leidenschaftlich, dass sie sowohl unterhalten als auch fesseln. Im Jahr 2020 wurde sein Talent mit dem Salzburger Stier ausgezeichnet. Derzeit tourt der gebürtige St. Galler mit seinem vierten Bühnenprogramm «NEU» durch die Deutschschweiz.
Der Fall Collien Fernandes hat erneut aufgezeigt, wie in Männerkreisen die Unschuldsvermutung als eine Art Zauberspruch gilt, ähnlich der Hydra in der Manosphere. Bei jedem Vorwurf einer Sexualstraftat sprießen zwei weitere Köpfe hervor, die «Unschuldsvermutung!» schreien. Der erste Kopf wird dabei nicht einmal berührt. Die Erfahrung zeigt: Wenn Frauen Männer anzeigen, werden selten männliche Verantwortlichkeiten akzeptiert. Stattdessen wird nach Fehlern bei der Frau gesucht – selbst wenn sie eine Bundesrätin ist.
Dass solche Einstellungen von einem Medienhaus vertreten werden, überrascht wenig, dessen Chefredaktor Roger Köppel einst zu einer Revision des Sexualstrafrechts aufgerufen hat: «Jede grosse Liebe beginnt mit dem Nein einer Frau.» Richtig wäre jedoch: Jede männliche Unschuldsvermutung beginnt mit dem Nein einer Frau.
Peter P. beschreibt den Vorfall bei Tamedia wie folgt: «Es war eine harmlose technische Übung, um zu sehen, was mit diesem Grok möglich ist.» Ähnlich würde ein Einbrecher behaupten: «Es war eine harmlose technische Übung, um zu sehen, was mit diesem Brecheisen möglich ist.”
Die Tech-Milliardäre weisen jede Verantwortung für Inhalte auf ihren Plattformen von sich. Elon Musk bezeichnet Kritik an seiner KI als «Zensurversuche». Für ihn bedeutet die automatisierte Produktion menschenrechtsverletzender Inhalte Meinungsfreiheit, im Sinne von: «Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass Sie einen künstlichen Deep-Fake-Porno mit Bildern Ihrer Ex-Frau erstellen können.”
Der satirische Wochenrückblick bietet bissigen Spass. In der Radio-Kolumne «Zytlupe» beleuchten starke Stimmen die politischen Höhen und Tiefen der Woche: ungefiltert und ungeniert unkorrekt. Alle Beiträge der «Zytlupe» finden Sie hier.
SRF 1, Zytlupe, 11.4.2026, 13:00 Uhr