Der rasante Anstieg von Rechenzentren erhöht den Strombedarf in der Schweiz erheblich und treibt die Notwendigkeit zur Erweiterung der Infrastruktur voran. Dies wirft Fragen auf, ob die energieintensive Tech-Branche genügend für ihre Kosten aufkommt.
Das Bild des Silicon Valley findet sich im Aargauer Hinterland nicht wieder. In Lupfig, einem Dorf mit 3000 Einwohnern, steht ein wirtschaftliches Wunderwerk: das Unternehmen Green ist der größte Betreiber von Rechenzentren in der Schweiz und errichtet dort seine vierte Anlage. Neben bereits laufenden Anlagen wird hinter videoüberwachten Zäunen fleißig gebaut.
Der Aargau sieht seinen Hightech-Hub mit Stolz, betont Verena Rohrer von der kantonalen Standortförderung: “Rechenzentren ziehen weitere High-Tech-Unternehmen an.” Der Kanton und die gesamte Schweiz gelten als attraktive Standorte für solche Zentren dank Werten wie Sicherheit, Zuverlässigkeit und Stabilität. Neue Anfragen werden regelmäßig eingereicht.
Mit bis zu 120 Anlagen verfügt die Schweiz über eine der weltweit höchsten Dichten an Rechenzentren. Früher war vor allem die Region Zürich ein Hotspot, doch dort wird es knapp mit Flächen und das Stromnetz kommt an seine Grenzen.
Rechenzentren sind jedoch auch hohe Energieverbraucher. Das geplante größte Datencenter in Volketswil soll eine Anschlussleistung von 100 Megawatt haben, was etwa einem Fünftel des gesamten Stromverbrauchs der Stadt Zürich entspricht.
Professor Adrian Altenburger von der Hochschule Luzern prognostiziert für die Studie des Bundesamts für Energie (BFE) aus dem Jahr 2019 einen Anstieg des Stromverbrauchs durch Rechenzentren auf etwa 10 Prozent bis 2030. Mit der zunehmenden Verwendung künstlicher Intelligenz sei ein weiterer Anstieg zu erwarten. Altenburger arbeitet an einer Folgestudie.
Die Gesellschaft wird mit Investitionen in die Strominfrastruktur belastet, nicht nur durch Rechenzentren, sondern auch durch Dekarbonisierung und den Einsatz von Wärmepumpen sowie Elektroautos. Die Frage der Kostenbeteiligung der Tech-Industrie bleibt politisch.
Ein umstrittener Rabatt auf den Strompreis profitiert die Branche: Verbraucher zahlen eine Abgabe zur Förderung erneuerbarer Energien, doch große Stromverbraucher wie Rechenzentren können sich teilweise davon befreien lassen. 2023 forderten acht Betreiber Rückzahlungen an – darunter Green aus dem Aargau sowie die US-Unternehmen Digital Realty und Equinix.
Obwohl der finanzielle Vorteil für Betreiber gering erscheint, könnten zukünftige Rückerstattungen mit weiteren Projekten steigen. Energiepolitiker wie Jakob Stark kritisieren dies als indirekte Standortförderung und hinterfragen die Notwendigkeit dieses Rabatts.
Die ursprüngliche Idee des Rabatts zielte auf traditionelle Industrien ab, um deren Abwanderung zu verhindern. Doch nun profitiert auch eine neue stromintensive Branche davon. FDP-Ständerat Damian Müller betont die Notwendigkeit der Kostenbeteiligung von Rechenzentren an Infrastrukturinvestitionen.
Energieminister Albert Rösti hob den steigenden Strombedarf durch Rechenzentren im Zusammenhang mit der Atomdebatte hervor. Kleine Kernkraftwerke könnten eine Lösung bieten, um die wachsende Nachfrage zu decken.
Die Branchenvereinigung Swiss Data Center Association (SDCA) wehrt sich gegen den negativen Diskurs und betont das Engagement der Branche für Stromsparen und Effizienz. Rechenzentren tragen zudem zur Netzstabilität bei, indem sie im Notfall unterstützen.
Franz Grüter, ein führender Politiker in der Industrie, vergleicht Rechenzentren mit den Fabriken des digitalen Zeitalters. Er unterstreicht deren wirtschaftliche Bedeutung und geopolitische Wichtigkeit für die Datensouveränität in unsicheren Zeiten.