Am 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald blieben die befürchteten antisemitischen Störaktionen aus, stattdessen richtete sich Kritik gegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.
Wolfram Weimers Stimme zittert leicht bei der Gedenkveranstaltung auf dem Appellplatz des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald. Der deutsche Kulturstaatsminister ist sichtlich bewegt, als er seine Blicke auf die beiden anwesenden Überlebenden richtet, die links von ihm sitzen. Diese haben die Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten überlebt. In Buchenwald wurden 56.000 Menschen ermordet, darunter Oppositionelle, Juden und Sinti und Roma. Weimer lobt den 99-jährigen Weissrussen Andrej Iwanowitsch Moiseenko als einen “wunderbaren Menschen mit einem grossen und weiten Herzen”.
Heute wird das ehemalige KZ auf dem Ettersberg bei Weimar von einer Gedenkstätte erinnert, die an die Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten erinnert. Am 11. April 1945 befreiten Mitglieder des Widerstands im Lager die Häftlinge, nachdem SS-Truppen den Amerikanern entgegengezogen waren. Der Häftling Hans Eiden verkündete damals per Lagerfunk: “Kameraden, wir sind frei!”.
Weimer appelliert an das Publikum, die Würde dieses Gedenktages zu wahren. Dieser Jahrestag ist besonders bedeutend, da keine Überlebenden sprechen konnten; einige Flüge aus Israel wegen des Krieges in Iran fielen aus. Die beiden anwesenden Zeitzeugen sind um die 100 Jahre alt.
Die Gruppierung “Kufiyas in Buchenwald” hatte vor der Gedenkfeier angekündigt, gegen den Umgang der Gedenkstätte mit dem Konflikt im Gazastreifen zu protestieren. Die Weimarer Versammlungsbehörde verbot letztlich die geplante Kundgebung in unmittelbarer Nähe zur Gedenkstätte. Die Veranstalter sagten ihre Ersatzveranstaltung kurzfristig ab, hatten aber dennoch Einfluss auf den Jahrestag.
Der Besucherandrang ist größer als in den Vorjahren; die Gedenkstätte zählt bis zu 600 Gäste. Etwa 30 Leipziger Linksradikale hielten zeitweise einen eigenen Rundgang ab, verzichteten jedoch auf Transparente und Palästinensertücher.
Jens-Christian Wagner, der Direktor der Gedenkstätte, warnt in seiner Rede vor Versuchen, das NS-Gedenken mit politischen Auseinandersetzungen zu belasten. Er kritisiert auch die AfD implizit und spricht von einem Kulturkampf gegen den Geist der Aufklärung.
Lena Sarah Carlebach, Präsidentin des Internationalen Komitees Buchenwald Dora und Kommandos, kritisiert in ihrer Rede Weimer für dessen Entscheidungen bezüglich staatlich geförderter Buchhandlungspreise. Einige im Publikum buhen, als Weimer spricht, und eine Gruppe singt das Buchenwald-Lied.
Hape Kerkeling erzählt schließlich von seinem Großvater, einem Überlebenden des Lagers. Nach einer Schweigeminute bleibt der Gedenktag weitgehend störungsfrei, außer für Weimer.
Der Sprecher der Gedenkstätte zeigt sich mit dem Verlauf zufrieden. Die Diskussionen über den Jahrestag könnten jedoch nur ein Vorgeschmack auf zukünftige erinnerungspolitische Debatten in Deutschland sein, besonders wenn keine Zeitzeugen mehr leben.