Nach jahrelangen Verhandlungen und widersprüchlichen Signalen sind Cécile Kohler und Jacques Paris, zwei französische Staatsbürger, nach fast vierjähriger Haft in Iran zurückgekehrt. Dies markiert das Ende eines der längsten Geiselfälle Frankreichs, bei dem die Grenzen seiner Diplomatie sichtbar wurden.
Nach ihrer Rückkehr am vergangenen Mittwoch zogen sich Kohler und Paris aus dem öffentlichen Leben zurück, um sich bei ihren Familien zu erholen. Am Tag ihrer Ankunft in Frankreich trafen sie im Garten des Élysée-Palasts auf Präsident Emmanuel Macron. Beide berichteten von unmenschlichen Haftbedingungen: Kohler beschrieb tägliche Qualen, während Paris betonte, dass der Versuch, sie zu brechen, gescheitert sei.
Ihre Gefangenschaft dauerte insgesamt 1432 Tage, wobei das Paar über drei Jahre im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran und weitere fünf Monate unter Hausarrest stand. Unter den jüngeren Geiselfällen Frankreichs war nur die Inhaftierung von Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt länger.
Die Gründe für die lange Haftdauer sowie die besonders harte Behandlung der beiden Franzosen werden in Frankreich intensiv diskutiert. Der konservative “Figaro” spekuliert, ob eine zu große Zurückhaltung seitens der französischen Diplomatie den Druck auf das iranische Regime verringerte.
Im Gegensatz zum Fall des belgischen Entwicklungshelfers Olivier Vandecasteele, bei dem früh öffentlicher Druck erzeugt wurde und er nach 455 Tagen freikam, verzichtete man bei Kohler und Paris lange auf Medienkampagnen. Die Behörden baten die Familien sogar ausdrücklich, keine Pressekontakte zu suchen. Der Wechsel von mehreren Außenministern im Quai d’Orsay erschwerte zudem eine kontinuierliche politische Linie.
Die beiden waren ursprünglich als Touristen nach Iran gereist und wurden kurz vor ihrer Abreise festgenommen. In Evin wurden ihnen Spionage sowie Kontakte zu iranischen Gewerkschaftern vorgeworfen, doch erst drei Jahre später erfolgte eine formelle Anklage.
Während ihrer Haft hatten sie nur wenige Privilegien: Sie waren meist isoliert und durften weder lesen noch schreiben. Die ständigen grellen Lichter hinderten sie am Schlafen – ein von Menschenrechtsorganisationen als “Weiße Folter” bezeichneter Zustand.
Bereits 2020 hatte Frankreich vor Reisen nach Iran gewarnt, und nach der Festnahme riet es französischen Staatsbürgern dringend zur Ausreise. Im Herbst 2022 wurden sieben Franzosen festgenommen, während die Beziehungen zu Westen wegen stockender Atomverhandlungen angespannt waren.
Erst im Frühjahr 2025 kam Bewegung in den Fall: Frankreich verschärfte den Ton und sprach von “psychologischer Folter”, was mit der Festnahme einer Übersetzerin in Frankreich neue Verhandlungsmöglichkeiten eröffnete. Zwar verfolgte die französische Seite keinen direkten Zusammenhang zwischen den Fällen, doch führte dies letztlich zu einem Austausch.
Die Freilassung der Franzosen wird als Ergebnis einer diplomatischen Vereinbarung beschrieben. In Paris spricht man von “Gesten des Vertrauens”. Teheran könnte Macron für dessen Distanzierung vom Militäreinsatz belohnt haben, was im April zur Ausreise führte.