Oliver Gottsponer aus Visperterminen VS hat seine 90 Schwarznasenschafe Anfang März geschoren. Bei diesen Tieren wird die Wolle so lang, dass eine Schur jährlich nötig ist, wie er erklärt. Der 24-jährige Agrarstudent produziert mit seiner Herde jährlich etwa 200 Kilo Wolle – fünf bis sechs Kilo pro Tier.
Trotz der Menge lohnt sich das Scheren nicht mehr finanziell; vor 30 Jahren erhielt man für ein Kilogramm Wolle über fünf Franken, heute kostet die Schur mehr als die Erlöse aus dem Verkauf. Der Absatzmarkt ist dafür verantwortlich: Es besteht eine hohe Nachfrage nach feiner Wolle für Kleidung, während die rauere und kratzige Wolle der Schwarznasenschafe kaum abgesetzt wird. Swiss Wool nimmt seit zwei Jahren keine Walliser Wolle mehr an.
Deshalb suchen Schäfer wie Gottsponer nach neuen Verwendungsmöglichkeiten für das Material. Während die meisten die überschüssige Wolle in der Kehrichtverbrennung entsorgen, hat Gottsponer eine Lösung gefunden: Fabienne Truffer aus Erschmatt verarbeitet sie zu Produkten wie Sitzkissen und Plüschtieren, die im Online-Handel verkauft werden. Ihre Produkte sind gefragt, und sie bietet darüber hinaus Kurse in Spinnen und Filzen an.
Gottsponer selbst sieht Wert darin, das alte Handwerk der Wollverarbeitung zu erhalten – ein Ziel, das er mit Truffer teilt. Darüber hinaus nutzt Gottsponer Schafwolle aus weniger geeigneten Bereichen im Garten, mischt sie ungewaschen mit Mist und verwendet diese Mischung als Dünger für seine Obstbäume.
Die Suche nach alternativen Anwendungen stellt sicher, dass die Wolle nicht verschwendet wird. Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 08.04.2026, 17:30 Uhr.