Der Verein Vorsorge Schweiz (VVS), der die Interessen von Freizügigkeits- und Säule-3a-Stiftungen vertritt, stellt fest, dass etwa 40 Prozent der in der Säule 3a angesparten Gelder investiert werden, während 60 Prozent ungenutzt auf Sparkonten liegen. Tashi Gumbatshang, Leiter der Vorsorge- und Vermögensberatung bei Raiffeisen Schweiz, äußert Kritik an dieser Praxis.
Gumbatshang betont die Nachteile von ungenutzten Säule-3a-Geldern, da diese meist über längere Zeit auf Sparkonten verbleiben und somit nur niedrige Zinsen abwerfen. Im Vergleich zu einer Anlagestrategie mit etwa 3,5 Prozent Rendite, die bei einem Sparkonto lediglich rund 0,5 Prozent beträgt, entgehen den Sparern jährlich gut zwei Milliarden Franken.
Gumbatshang hebt hervor, dass eine verstärkte Investition von Säule-3a-Geldern nicht nur die individuelle Vorsorgesituation verbessert, sondern auch gesellschaftliche Entlastungen bewirken könnte. Dies würde den Staat in seiner Rolle als Sicherheitsnetz entlasten.
Besonders junge Anleger mit längerem Investitionszeitraum würden von einer strategischen Nutzung ihrer Säule-3a-Gelder profitieren, indem sich ihre Vorsorgesumme erheblich erhöhen könnte. Der zurückhaltende Einsatz dieser Mittel in der Schweiz wird oft auf die Wahrnehmung als Steuersparinstrument und mangelndes Finanzwissen innerhalb der Bevölkerung zurückgeführt. Zudem ist eine ausgeprägte Aktienkultur im Vergleich zu angelsächsischen Ländern weniger verbreitet.
Gumbatshang rät eher von einer Anlage bei kurzfristigen Sparzielen ab und empfiehlt stattdessen niedrigere Aktienquoten. Langfristige Investitionsmöglichkeiten sind jedoch sinnvoll, wobei die Säule-3a-Gelder in der Regel nicht vorzeitig ohne triftigen Grund wie Eigentumserwerb oder Auswanderung abgerufen werden können.
Gespräch geführt von Rahel Winkelmann.