Innerhalb von zwei Jahren transformierte sich Peter Magyar vom Nutznießer des Systems Viktor Orbans zu dessen Nachfolger. Doch wie gelang ihm dieser bemerkenswerte Aufstieg? Der ungarische Dokumentarfilm «Frühlingswind», der vor kurzem in die Kinos kam, wurde von über 36.000 Menschen im Land gesehen – ein beispielloser Erfolg für einen Abspannapplaus. Der Film beleuchtet Magyars politischen Aufstieg als zukünftiger Regierungschef Ungarns. Magyar hat mit seinem Wahlkampf den Nerv der Nation getroffen, indem er nicht nur Kinos füllte, sondern auch die Plätze des Landes. Bis zu sechs Mal täglich trat er auf und erreichte Tausende von Menschen, noch mehr verfolgten seine Reden online. So wuchs der Glaube an den Siegespotenzial seiner Partei Tisza gegen Viktor Orbans Fidesz-Regierung nach 16 Jahren Macht. Drei Hauptfaktoren erklären diesen Erfolg laut Eszter Kovats, Politikwissenschaftlerin an der Universität Wien. Erstens konnte Orban sein Versprechen des gesellschaftlichen Wohlstands nicht mehr erfüllen; die wirtschaftliche Stagnation und hohe Inflation von 80 Prozent bei Lebensmittelpreisen seit 2019 verursachten Unzufriedenheit. Zweitens bot sich ein politisches Vakuum, da die Opposition nach einer schweren Niederlage gegen Fidesz 2022 am Boden lag. Dazu kam eine moralische Krise durch die Begnadigung in einem Missbrauchsskandal, was den Rücktritt der früheren Justizministerin und Ex-Frau Magyars, Judit Varga, nach sich zog. Obwohl geschieden, nutzte Magyar diesen Anlass für einen öffentlichen Bruch mit Orban. In einem einstündigen Interview enthüllte er Details über Korruption in der Regierung, das innerhalb kurzer Zeit 2 Millionen Zugriffe verzeichnete. Seine Glaubwürdigkeit als ehemaliger Vertrauter des Systems erhöhte sich dadurch für viele. Magyar, einst Teil der «Mafia», wurde zum Politphänomen und erhielt bei der EU-Wahl 2024 auf Anhieb 30 Prozent. Seine kommunikativen Fähigkeiten, die er schon in jungen Jahren besass, sowie sein urban-elitäres Umfeld trugen dazu bei, dass er sich von den Fehlern früherer Oppositionelle distanzierte. Statt abstrakter Debatten fokussierte Magyar auf Alltagsprobleme und die Provinz – das Kernland des Fidesz. Er besuchte Hunderttausende persönlich, um Vertrauen zu gewinnen, und nutzte nationale Symbole in seinen Reden. Dabei sprach er auch enttäuschte Fidesz-Wähler an. Bei einem Auftritt in Tata mit 2000 Anwesenden versprach Magyar die Rückgewinnung der Heimat und konkrete Vorhaben im Bildungs- und Gesundheitsbereich. Skepsis gegenüber ihm bleibt jedoch bestehen, da viele ihn als Teil von Orbans System sehen. Magyars Erfolg basiert auf seiner Fähigkeit, Hoffnung zu vermitteln und die Wahl zum Referendum über Orban zu machen. Ohne die Unzufriedenheit mit der letzten Regierungsführung hätte er kaum solch eine breite Anhängerschaft gewinnen können. Mit seinem Slogan «Jetzt oder nie» hat Magyar sein Ziel erreicht.