Viktor Orban hat seine Machtstellung in Ungarn nach den jüngsten Wahlen eingebüsst. Diese Niederlage widerlegt die Behauptung, das Land sei keine Demokratie mehr. Allerdings birgt Magyars deutlicher Erfolg auch die Gefahr eines Missverständnisses.
Für sechzehn Jahre hat Viktor Orban Ungarns Politik, Gesellschaft und Wirtschaft nach seinen Vorstellungen geformt. Er schürte den Nationalstolz und bediente sich der Institutionen zur Machtsicherung für sich selbst und seine Verbündeten. Viele Bürgerinnen und Bürger verfielen seinem Netz aus Geborgenheit und Sicherheitsversprechen.
Orban blieb lange unangefochten, bis Peter Magyar als Abtrünniger das System in Frage stellte. Sein Aufbruch riss die Menge mit sich – ein klares Signal, dass Ungarn doch eine funktionierende Demokratie ist. Im Gegensatz zu Autokraten wie Lukaschenko blieb Orbans Rückzug friedlich.
Der Wahlsieg löst das von Fidesz geschaffene Machtsystem nicht auf; dessen Reaktion bleibt ungewiss. Doch der Wahlverlauf widerlegte die Befürchtungen größerer Manipulationen und zeigte, dass Magyar erfolgreich mit Orbans eigenen Methoden konterte.
Orban versuchte, durch eine dramatische Darstellung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine Stimmung zu machen. Die Ungarn durchschauten jedoch seine Absichten: Es ging um Macht, nicht um Krieg oder Frieden. Viele überwanden ihre Angst vor Verlust staatlicher Leistungen.
Magyars Erfolg in ländlichen Regionen zeigt die Unzufriedenheit mit leeren Versprechen und den Mut zur Veränderung. Dies erinnert an die Bewegung, die einst den Ostblock erschütterte. Magyars Sieg ist ein Signal für Europa: Selbst gegen EU-Gegner kann man gewinnen.
Orban hat nicht nur als Rechtsnationalist in Europa verloren; auch seine Beziehung zu Putin und Trump wurde auf die Probe gestellt, besonders nach Enthüllungen über Russlandkontakte. Das Signal birgt sowohl Hoffnung als auch Risiko. Magyar könnte mit der Mehrheit im Parlament Orbans «illiberale Demokratie» hinterfragen.
Doch es wäre ein Fehler zu erwarten, dass Ungarn sich plötzlich nach westlichen Idealen entwickelt. Auch Magyar ist konservativ und muss eine Spaltung verhindern wie in Polen. Die Anhänger Orbans sind geschlagen, aber nicht verschwunden.