Silvia Graemiger, die aktuelle Präsidentin des Kunsthauses Zug, steht erneut im Zentrum eines Machtkampfs innerhalb ihrer Organisation. Nach der Entlassung von Matthias Haldemann vor einem Jahr eskaliert die Situation nun erneut, da vier von sechs Vorstandsmitgliedern ihren Rücktritt fordern.
Im Gespräch mit zentralplus zeichnet Graemiger das Bild eines führungslosen und zerstrittenen Kunsthauses. Sie betont ihre Rolle als gewählte Präsidentin, die bei einer “Meuterei” nicht zurücktreten wird: “Bei einer Meuterei verlässt der Kapitän das Schiff nicht.” Graemiger glaubt, dass die Mehrheit des Vorstands bald zurücktritt.
Hinter den Kulissen haben sich zwei Lager innerhalb des Vorstands gebildet. Die Seite von Graemiger setzt sich aus zwei Mitgliedern zusammen, während vier auf der Gegenseite stehen. Nachdem Ende Januar ein Rücktritt beantragt wurde, gab es keine gemeinsame Sitzung mehr.
Die Folgen dieser Spaltung sind gravierend: Es können keine rechtsgültigen Entscheidungen getroffen werden und das gesamte Team ist orientierungslos. Graemiger arbeitet an einer neuen strategischen Ausrichtung für das Kunsthaus, die ohne belastende Kunstwerke und den “Phantasiebau” auskommen soll.
In einem Brief kritisierte Graemiger zudem das Fehlen notwendiger Kompetenzen zur Abklärung der Herkunft von Kunstwerken sowie eine unzureichende Lagerung der Sammlungen. Das Kunsthaus sei zudem unterversichert. Der geplante Erweiterungsbau, dessen Kosten sich auf 40 Millionen Franken belaufen, wird ebenfalls kritisch gesehen, da es an einer Strategie fehle, das Projekt attraktiv zu gestalten.
Zur Besetzung des Direktionspostens erklärt Graemiger, dass die Vorstandsmitglieder die Rekrutierung eines neuen Direktors oder einer neuen Direktorin verhindern würden. Sie plant rechtliche Schritte gegen die “Meuterer”, möchte das Team eng führen und transparent kommunizieren.
Der Vorstand reagierte auf Anfrage mit einer schriftlichen Stellungnahme, in der unterschiedliche strategische Ausrichtungen sowie kommunikative und operative Fragen als Grund für den Konflikt genannt werden. Graemigers Seite widerspricht, dass das Gespräch nicht gesucht wurde und die andere Seite den Dialog verweigert habe.
Eine offizielle Reaktion auf Graemigers Widerstand steht noch aus.