Zum ersten Mal seit Jahrzehnten finden in Washington direkte Friedensverhandlungen zwischen Israel und dem Libanon statt. Nicholas Blanford, ein Experte für den Hizbullah, erläutert im Gespräch die entscheidende Rolle der Waffen der Schiitenmiliz. Die Ziele beider Parteien könnten unterschiedlicher kaum sein: Der Libanon strebt vorrangig eine Waffenruhe an, während Israel auf einer Entwaffnung des Hizbullah beharrt und darauf basierend einen Friedensvertrag oder ein Grenzabkommen anstrebt. Eine militärische Lösung für die Entwaffnung ist laut Blanford nicht denkbar, da der Iran festlegt, dass der Hizbullah seine Waffen behalten soll. Zudem möchte Libanon seine Armee nicht gegen den Hizbullah einsetzen, um eine Eskalation wie im Bürgerkrieg zu vermeiden. Die Lage ist angespannt; Anhänger des Hizbullah protestierten in Beirut gegen die Gespräche mit Israel. Ein neuer Bürgerkrieg wird zwar nicht unmittelbar erwartet, doch lokale Sicherheitskräfte könnten sich formieren, wie es bereits in einigen christlichen Dörfern im Südlibanon der Fall ist. Trotz Drohungen Irans, die Verhandlungen mit den USA zu verlassen, kam Teheran schließlich nach Pakistan. Die Beziehungen zwischen Iran und Hizbullah bleiben stark, obwohl es Unmut über die Unterstützung während des Krieges 2023 und 2024 gab. Der Hizbullah bleibt für Teheran essenziell, da er seit 2006 ein zentraler Bestandteil der iranischen Abschreckungsstrategie ist. Eine Umfrage von Dezember 2025 zeigt, dass viele Libanesen die Entwaffnung des Hizbullah befürworten, während eine Mehrheit der schiitischen Bevölkerung dagegen ist. Ein Wandel in der Einstellung der Schiiten könnte den Verlust der Unterstützung für den Hizbullah bedeuten. Der Stolz über die Gegenwehr des Hizbullah gegen Israel und eine zunehmend tiefere konfessionelle Kluft verstärken diese Unterstützung. Die Gründe, warum Schiiten ihre Waffen behalten wollen, variieren regional: Im Süden und in der Vorstadt Beiruts besteht die Sorge um israelische Angriffe; in der nördlichen Bekaa-Ebene ist es die Nähe zur syrischen Grenze. Überzeugungsarbeit für eine Entwaffnung könnte durch Investitionen der Golfstaaten in die Region erfolgen, was aber neue Spannungen zwischen Konfessionen hervorrufen könnte. Israel wird von Libanon dennoch eine Entwaffnung des Hizbullah verlangen. Die Verhandlungen stehen vor großen Herausforderungen, da vergangene Erfahrungen aus dem Jahr 1983 die libanesische Regierung vorsichtig machen. Es ist schwer vorstellbar, dass diese Gespräche erfolgreich und schnell abgeschlossen werden können.