Der Iran-Konflikt stellt für die globale Energieversorgung eine Zäsur dar, ähnlich wie der Ukraine-Krieg es für Europa war. Ein sicher geglaubtes Angebot an Erdöl und Erdgas ist nun unsicherer denn je, was zahlreiche Länder zu drastischen Anpassungen zwingt – schmerzhaft und kostenintensiv, aber unumgänglich.
Der Konflikt hat die Blockade der Seestrasse von Hormuz zur Realität gemacht. Frachtschiffe meiden nun diese Passage, was den Weltmarkt um rund 15 Prozent des Erdöls und 20 Prozent des LNG bringt. Dies führte zu einem starken Anstieg der Rohölpreise für Brent-Rohöl um ein Drittel seit Kriegsbeginn.
Die Internationale Energieagentur (IEA) bezeichnet die Situation als den größten Energieschock in der Geschichte und empfiehlt drastische Maßnahmen zum Treibstoffsparen. In Europa spürt man erst die steigenden Preise, während Asien bereits unter echtem Mangel leidet – etwa Indien, wo Flüssiggas für Kochzwecke knapp wird.
Die Verwundbarkeit der Welt wurde durch den Angriff auf Iran offensichtlich. Selbst die USA sind von steigenden Benzinpreisen betroffen. Der Tankerkrieg der 1980er Jahre zeigt, dass militärische Eskorten zuvor Ölflüsse sicherten, was heute nicht mehr selbstverständlich ist.
Trotz eines Überangebots im Jahr 2026 führte der Konflikt zu Preisanstiegen. Der relativ niedrige Preis resultiert aus Erwartungen einer raschen Beilegung des Konflikts.
Langfristig bleibt die Bedrohung durch Iran bestehen, was den Druck auf Importländer erhöht, unabhängiger von Kohlenwasserstoffen zu werden. Europa musste in der Ukraine-Krise seine Erdgasimporte diversifizieren und steht nun vor einem Preiskampf mit Asien.
Regionale Akteure erkennen die Anfälligkeit ihrer Exportwege und investieren in neue Routen, wie Saudiarabien es bereits während des Irak-Iran-Krieges tat. Derzeit fehlen der Welt nur noch 15 Prozent des Erdöls.
Trotz Vorsichtsmaßnahmen bleiben geopolitische Risiken bestehen, was den Handel mit Öl und Gas teurer macht. Diversifizierung und Widerstandsfähigkeit gegen Energieschocks werden zu globalen Prioritäten.
Nach den Ölkrisen der 1970er Jahre wandten sich viele Länder von Erdöl ab, förderten Kohle-, Gaskraftwerke sowie Atomenergie. Heute nimmt die Bedeutung erneuerbarer Energien zu. Die Energiewende wird durch Sicherheitsbedürfnisse weiter angetrieben.
Kurzfristig profitieren andere Exporteure wie Russland und die USA, deren LNG-Exporte wachsen könnten. Der Wandel hin zu einer unabhängigeren Energieversorgung ist notwendig, um die Versorgung der Welt sicherer zu gestalten. Ein Schock kann tatsächlich ein Anstoss für einen gesünderen Lebensstil sein.