Die Anschuldigungen von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Partner haben eine Debatte über digitale sexualisierte Gewalt entfacht. In einem Gespräch mit der Expertin Agota Lavoyer, das vom SRF-Moderator Urs Gredig geführt wurde, erörtern beide die Gründe für diese Form von Gewalt, die Machtlosigkeit der Opfer und das Vertrauen in Männer.
Was genau versteht man unter digitaler sexualisierter Gewalt?
Agota Lavoyer definiert sie als alle Formen von sexualisierter Gewalt, die im digitalen Raum stattfinden. Dazu zählen ungewollte „Dickpics“, belästigende Kommentare und KI-generierte Deepfakes, wie jene, die Collien Fernandes betreffen.
Agota Lavoyer ist als Beraterin für sexualisierte Gewalt tätig und setzt sich durch Vorträge, Publikationen und ihre Tätigkeit als Autorin dafür ein, Opfer besser zu unterstützen und Prävention zu fördern. Melanie Winiger, Schauspielerin, Moderatorin und ehemalige Miss Schweiz, reagierte auf Fernandes Vorwürfe mit der Feststellung, dass solche Fälle nicht neu sind, jedoch wichtig diskutiert werden müssen.
Welches sind die Ursachen dieser Gewaltform?
Lavoyer erklärt, es gehe um Macht und Dominanz statt sexuelle Neigungen. Winiger betont, dass Anonymität eine zentrale Rolle spielt, da Täter sich hinter dem Schutz des Internets verstecken können. Sie kritisiert die Tendenz, digitale Gewalt zu bagatellisieren und weist darauf hin, dass Gewalt unabhängig vom Medium gleich ernst genommen werden muss.
Lavoyer führt weiter aus, dass sexistische Einstellungen der Nährboden für sexualisierte Gewalt seien. Übergänge zwischen digitaler und physischer Belästigung seien oft fließend. Sie erwähnt auch den verbreiteten Missbrauch von Opfernens Schweigen aufgrund dieser Erfahrungen.
Besteht die Gefahr, dass Frauen sich selbst beschränken?
Lavoyer erinnert an Reaktionen junger Frauen in hypothetischen Situationen ohne Männer, was ihre Selbstbeschränkung im Alltag verdeutlicht. Winiger weist darauf hin, dass es gefährlich sei, generalisierend zu werden und betont die Notwendigkeit, auch Männer als Teil der feministischen Bewegung zu betrachten.
Auf was sollten Eltern bei der Erziehung von Söhnen achten?
Winiger unterstreicht, ihre Botschaft an ihren Sohn sei, dass körperliche Stärke nicht Macht bedeutet, sondern Verantwortung. Lavoyer betont die Rolle der Gesellschaft in der empathischen Erziehung.
Das Gespräch wurde von Urs Gredig moderiert und am 09.04.2026 um 22:25 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt.