Im September 2024 verursachte die ehemalige GLP-Politikerin Sanija Ameti einen Skandal, als sie ein Foto von Jesus und Maria mit einem Schuss versehen und das Video auf Instagram teilte. Nach rund anderthalb Jahren wurde sie vom Zürcher Bezirksgericht schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von sechzig Tagessätzen à 50 Franken verurteilt.
Am Urteilstag kündigte Ameti eine öffentliche Ansprache auf dem Zürcher Heimplatz an. Anstelle ihrer selbst fanden Medienvertreter jedoch lediglich einen leeren Stuhl, ein Schild mit der Aufschrift «Würste für die Freiheit» und einen Teller mit Würsten vor. Den Wortlaut dieser «Rede», die auf dem Stuhl lag, dokumentieren wir nachfolgend.
Alle Anwesenden am heutigen Prozess seien freiwillig gekommen – ausgenommen ich selbst, so Ameti. Sie schlussfolgert daraus, dass ihre Anwesenheit den Grund für das Erscheinen der Zuhörer darstelle und eine Enttäuschung drohe, sollte sie nichts sagen. Dies wolle sie vermeiden. Was die Öffentlichkeit von ihr wirklich wissen möchte, sei daher Gegenstand ihrer Botschaft.
Der Prozessgegenstand wurde bereits mehrfach erörtert, fügt Ameti hinzu und erwähnt, dass Google häufige Suchanfragen zu ihrem Keuschheitsstatus, ihrer Religion und Herkunft anführen. Ihre Antworten folgen dieser Reihenfolge:
1) Sie habe einen sehr netten Freund, dessen Familie im Ämmital beginnt, und sie habe die Wahl selbst getroffen – entgegen einer Zeitungsmeldung.
2) Sie sei weiterhin Atheistin, obwohl Medien sie oft als Muslimin bezeichnen. Politikerin im Milizsystem sei kein Beruf.
3) Ihr Geburtsort sei nicht Prizren, Kosovo, wie in der Anklageschrift angegeben. Trotz Änderungen in ihrem Ausländerausweis spiele dies keine Rolle mehr. Ihre Muttersprache sei Bosnisch; sie sei aus dem ehemaligen Jugoslawien geflüchtet.
Ameti erklärt, dass solche persönlichen Angaben zwar rechtlich irrelevant seien, jedoch als öffentliche Interessen zur Bestimmung von Beschämungen dienen. Ihre Erfahrungen mit öffentlicher Scham würden nicht nur Morddrohungen nach sich ziehen, sondern auch abschreckende Exempel gegen Menschen gleicher Zuschreibungen setzen.
Hannah Arendt habe die Teilnahme an der Öffentlichkeit als «Freiheit, frei zu sein» beschrieben. Wer diese Freiheit genieße, werde nicht von Gerichten, sondern von gesellschaftlichen Narrativen bestimmt. Ameti zieht historische Beispiele heran und betont, dass ihre Geschichte nun auf dem Heimplatz in Zürich erzählt wird.
Sie kündigt den «Tod der öffentlichen Figur» an, da sie die Fiktion einer gleichberechtigten Teilhabe nicht mehr mittragen wolle. Die Öffentlichkeit habe ihr eine Maske aufgezwungen, von der sie sich nun befreit sieht. In einer neuen Ordnung könne Freiheit ohne Täuschung Platz nehmen: Der Stuhl bleibt frei, aber der Platz ist für alle gedeckt.