Der Chef der Schweizer Weltwoche, Roger Köppel, äußert sich im Interview mit Focus besorgt über die jüngsten Ereignisse in seinem Land. Die Katastrophe von Crans-Montana und Probleme rund um die UBS werfen Fragen zur Schweizer Neutralität und Eigenverantwortung auf.
Köppel ringt darum, die Auswirkungen der Tragödie in Crans-Montana richtig einzuordnen. Er betont, dass es sich um eine französische Betreiberfamilie handelt, die offensichtlich nicht alle Vorschriften beachtet hat. Dies deutet für ihn auf Missstände hin, die durch unzureichende Kontrollen der Behörden begünstigt wurden. Der Fall sei ein Zeichen dafür, dass sich in der Schweiz Werte wie Eigenverantwortung und staatliche Aufsicht verschlechtert haben.
Köppel argumentiert, dass eine übermäßige Regulierung oft mehr Probleme schafft als löst. Er zieht Parallelen zum Bankensektor, insbesondere zur UBS, die so groß ist, dass sie bei einer Krise das ganze Land gefährden könnte. Die Frage steht im Raum: Wie kann ein Staat mit solch einem Giganten umgehen?
In Bezug auf den internationalen Handel und die US-Zölle erkennt Köppel an, dass die Schweizer Pharmaindustrie hohe Preise in Amerika kritisiert werden muss. Er rät zur sachlichen Betrachtung der Aussagen Trumps über dieses Thema.
Das Unternehmen Nestlé steht ebenfalls im Fokus von Kritik wegen eines schwachen Aktienkurses und internen Skandalen. Köppel trennt jedoch die Probleme in Crans-Montana, UBS, Pharma-Industrie und Nestlé voneinander.
Trotz seiner Kritik an aktuellen Entwicklungen vertraut Köppel auf den Schweizer Staat, der auf Eigenverantwortung basiert. Er befürwortet eine bewaffnete Neutralität, um in Zeiten nationaler Interessen die Unabhängigkeit zu wahren. Die internationale Politik, einschließlich des Ukraine-Krieges, sollte seiner Meinung nach durch Verständigung und Friedensbemühungen geprägt sein.
Er schließt mit dem Hinweis auf Trumps direkte Art, der ihm lieber ist als die verbreitete Heuchelei in der Politik. Die Schweiz solle flexibel bleiben und Notausgänge offenhalten.
Dieses Interview wurde im Focus veröffentlicht. Gesprächspartner war Oliver Stock.