Im Bestreben, neue Allianzen zu schmieden, richtet Peking seine Aufmerksamkeit verstärkt auf den Nahen Osten. Auch Europa spielt in dieser Strategie eine Rolle.
Xi Jinping empfing persönlich Kronprinz Khalid bin Mohammed von Abu Dhabi – ein ungewöhnlicher Schritt, da der chinesische Staats- und Parteichef dem VAE-Prinzen rangmäßig überlegen ist. Das Treffen am vergangenen Dienstag unterstreicht jedoch die Bedeutung Chinas für eine engere Beziehung zu den Emiraten.
Angesichts des Konflikts im Nahen Osten strebt China danach, seine Verbindungen zur VAE-Koalition nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern auch auszubauen. Die wirtschaftlichen Interessen, insbesondere die stabile Erdöllieferung, spielen dabei eine wesentliche Rolle.
In den vergangenen Jahren hat China seine Erdölimporte aus den VAE massiv erhöht: 2024 erreichten sie einen Wert von 23 Milliarden Dollar, was die Emirate zum sechstgrössten Rohöllieferanten machte. Im Vergleich dazu standen die Lieferungen zehn Jahre zuvor bei nur 9 Milliarden Dollar.
Die Blockade der Straße von Hormuz könnte jedoch diese Lieferketten gefährden, weshalb China sich für eine rasche Beendigung des Konflikts stark macht. Xi versprach gegenüber dem Kronprinzen Chinas Engagement für Friedensgespräche.
Chinas Interessen überschreiten die Energieversorgung hinaus. Auf der Suche nach neuen Handelspartnern und Investitionen, besonders in Zeiten angespannter Beziehungen zu westlichen Staaten, sieht China in den VAE einen wichtigen Akteur.
Ministerpräsident Li Qiang betonte während des Treffens die Wichtigkeit von Investitionen in Bereiche wie künstliche Intelligenz und Biotechnologie, die im neuen Fünfjahresplan Chinas an oberster Stelle stehen. In Hongkong nehmen Sprecher aus den VAE zunehmend eine dominierende Rolle bei Finanzkonferenzen ein.
Neben dem Bedarf nach stabilen Öllieferungen sieht China in den Emiraten auch einen potenziellen Markt für seine Exporte, darunter Elektroautos und Solarmodule. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern stieg im letzten Jahr um 24,5 Prozent auf über 111 Milliarden Dollar.
Am Montag unterzeichneten China und die VAE vierundzwanzig Absichtserklärungen bei einer Wirtschaftskonferenz in Peking. Die Details blieben zunächst unklar, doch Li erklärte, dass künftige Kooperationen sich auf Energiespeicher und Wasserstoff konzentrieren sollen – Bereiche, in denen China führend ist.
Strategisch bedeutsam sind die Emirate auch wegen der chinesischen Exportwege nach Europa über ihre Häfen. Die Angriffe Irans gefährden diese Route und verstärken Chinas Wunsch nach einem Konfliktende.