Als mögliche Schlüsselinnovation im Finanzsektor könnten Stablecoins den Bancomaten Konkurrenz machen. Doch was genau sind Stablecoins und für welche Zwecke eignen sie sich? Hier sind die wichtigsten Fragen beantwortet.
Stablecoins stellen digitale Währungen dar, die meistens einem Gegenwert wie dem Dollar entsprechen. Auch andere Vermögenswerte wie Gold können als Basis dienen. Im Gegensatz zu Bitcoin und anderen Kryptowährungen werden Stablecoins über öffentliche Blockchains abgewickelt.
Stablecoins, die an Währungen gebunden sind, sind üblicherweise vollständig durch flüssige Mittel abgesichert, wie Staatsanleihen. Emittenten halten dabei stets den entsprechenden Wert in der Basiswährung vorrätig und garantieren Nutzern jederzeitigen Tausch.
Es existieren auch Stablecoins mit Kryptowährungen als Absicherung oder die durch Algorithmen an eine Währung gekoppelt sind. Diese werden jedoch als weniger sicher angesehen.
Zu Beginn des Jahres 2026 erreichte der Gesamtwert aller ausgegebenen Stablecoins über 300 Milliarden Dollar, wobei mehr als die Hälfte auf Tether und USDC von Circle entfiel, beide an den Dollar gebunden. Insbesondere Krypto-Investoren nutzen Stablecoins für kurzfristige Anlagen bei geringerem Risiko im Vergleich zu anderen Kryptowährungen.
Durch ihre Bindung an eine Währung bleibt der Wert eines Stablecoins stabil, was ihn von volatilen Kryptowährungen wie dem Bitcoin unterscheidet. Diese Stabilität macht sie attraktiv für Zahlungsabwicklungen und kostengünstige Überweisungen im Ausland.
Ein Bankkonto ist nicht erforderlich, um Stablecoins zu verwenden; lediglich eine Internetverbindung sowie ein digitales Wallet reichen aus.
Da Stablecoins programmierbar sind, können sie in digitale Protokolle integriert werden. Dadurch kann zum Beispiel automatisch eine Zahlung erfolgen, sobald vordefinierte Bedingungen erfüllt sind – was auch für KI-Anwendungen interessant ist.
Die meisten verbreiteten Stablecoins sind an den Dollar gekoppelt; andere Währungs-Stablecoins spielen nur eine untergeordnete Rolle. Für Länder mit schwankenden Währungen kann dies problematisch sein, da ihre Bürger digitale Dollarnutzung bevorzugen könnten.
Finanzielle Innovationen haben in der Vergangenheit oft zu Herausforderungen geführt, da Gesetzgeber und Regulatoren nicht alle Auswirkungen vorhersehen konnten. Auch bei Stablecoins könnte dies eintreten.
Die Financial Action Task Force (FATF) warnt, dass Stablecoins zunehmend für illegale Transaktionen genutzt werden. Ihre Vorteile machen sie auch attraktiv für kriminellen Missbrauch, wie ein Bericht aus März 2026 feststellt.
Es gibt sowohl Franken- als auch Euro-Stablecoins, die jedoch im Vergleich zu Dollar-Stablecoins eine untergeordnete Rolle spielen. Die Präferenz der Nutzer für etablierte digitale Dollarnutzung ist dafür verantwortlich.
In den USA wurde 2025 mit dem Genius Act ein innovativer Rahmen für Stablecoin-Emissionen geschaffen, um die Dominanz des digitalen Dollars zu stärken. In der EU sind die Regeln strikter: Die Mica-Regulierung erfordert, dass Emittenten 60 Prozent der Sicherungsmittel bei Banken hinterlegen.
Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma erschwerte 2024 mit Identifikationsvorschriften die Ausgabe von Franken-Stablecoins. Ein deutscher Anbieter umging diese Regeln und brachte 2026 einen digitalen Franken nach EU-Recht auf den Markt.
Der Bundesrat plant nun eine Gesetzesänderung, die ab 2028 Lockerungen bringen könnte. Schweizer Banken bereiten sich bereits vor: Im April 2026 wurde bekannt, dass mehrere Institute in Zusammenarbeit mit Swiss Stablecoin an einem digitalen Franken arbeiten.