In Europa häufen sich antisemitische Angriffe seit Beginn des Konflikts mit dem Iran. Zuletzt zielte ein Angriff in München auf eine jüdische Lokalität ab, was den Verdacht einer Beteiligung Teherans erhöht.
Ein 30-sekündiges Bekennervideo, das am Donnerstag verbreitet wurde und martialischen Musik unterlegt ist, drohte mit weiteren Anschlägen auf zionistische Ziele. Im Fokus stand die Münchener “Eclipse Grillbar”, bei der unbekannte Täter in der Nacht Sprengsätze an Fenstern befestigten und flüchteten. Der Schaden wird auf mehrere tausend Euro geschätzt, Verletzte gab es glücklicherweise nicht.
Seit März hat eine Reihe von Anschlägen in Europa für Aufsehen gesorgt: Explosionen vor Synagogen in Belgien, Brandanschläge auf jüdische Einrichtungen in Rotterdam und Amsterdam, ein Autobrand im jüdischen Viertel Antwerpens sowie ein versuchter Bombenanschlag in Paris. Diese wurden von der bis März unbekannten proiranischen Gruppe “Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia” (HAYI) für sich beansprucht, wobei Analysten wie die Denkfabrik ICCT vermuten, dass HAYI als Tarnorganisation für vom Mullah-Regime unterstützte Netzwerke dient.
Die schnelle Verbreitung der Bekennervideos über proiranische Kanäle auf Telegram und X unterstreicht diesen Verdacht. Ein direkter Beweis für eine staatliche Steuerung durch den Iran fehlt jedoch bislang, doch die ähnlichen Muster und Videos lassen darauf schließen.
In Frankreich wurden vier Personen festgenommen, darunter ein Erwachsener und drei Minderjährige, die im Zusammenhang mit dem vereitelten Anschlag in Paris stehen sollen. Der Erwachsene habe den Jugendlichen zwischen 500 und 1000 Euro versprochen, um einen Sprengsatz zu platzieren. In den Niederlanden ermittelte man gegen fünf junge Männer im Alter von 17 bis 23 Jahren nach Anschlägen auf jüdische Einrichtungen.
Europol warnt vor der Nutzung sogenannter Wegwerfagenten – oft Jugendliche oder finanziell angeschlagene Personen, die durch das Versprechen schnellen Geldes rekrutiert werden. Diese Vorgehensweise erschwert es den Behörden bei Festnahmen, verwertbare Informationen zu erlangen.
Das Logo der Organisation “HAYI”, das Symbole Iran-naher Milizen aufgreift, weist Fehler in der arabischen Schrift auf, was eher für eine unscharfe Imitation als für eine professionelle Organisation spricht. Die Serie von Anschlägen zielt darauf ab, jüdische Gemeinden einzuschüchtern und Öffentlichkeit sowie Behörden zu verunsichern – ein Beispiel für die hybride Kriegsführung.
Iran hat bereits in den 1980er Jahren ähnliche Strategien eingesetzt, indem es nichtstaatlichen Akteuren wie der Hizbullah oder Hamas unterstützte. Diese Netzwerke sind oft kriminell vernetzt und finanzieren sich unter anderem durch Drogenringe. Der schwedische Inlandsnachrichtendienst stufte 2024 das iranische Regime als Nutzer solcher Netzwerke für gewalttätige Aktionen ein.