Das aktuelle Jugendbarometer offenbart eine bemerkenswert vernünftige junge Generation, deren Lebensweise sich deutlich von früheren rebellischen Epochen unterscheidet. Einzig der Rock and Roll verbindet sie noch mit den wilderen Zeiten ihrer Vorgänger. Die Ansichten über die Jugend haben sich im Laufe der Jahrhunderte stark gewandelt. Sokrates beschrieb vor 2400 Jahren die junge Generation als widerspenstig und ungezogen: “Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.” Die 68er waren bekannt für ihren BH-Verbrennungsprotest, Drogenkonsum und ungeschützten Sex. In den 80er und 90er Jahren feierten Jugendliche bis zum Morgengrauen und gingen dann direkt zur Arbeit. Vor zehn Jahren gehörte der Austausch von Partnern noch zur Sexualerziehung. Was aber charakterisiert die Generation Z heute? Das am Freitag veröffentlichte Jugendbarometer, das GfS Bern im Auftrag von Merck erstellt hat und den Titel “Die entzauberte Generation” trägt, gibt darauf eine klare Antwort. Die Untersuchung wurde von Oktober bis November 2025 bei über 1000 jungen Menschen zwischen 16 und 30 Jahren durchgeführt und zeigt andere Werte auf. Diese Jugendlichen streben nach Gesundheit, Stabilität und einem sinnvollen Leben, sind weniger lautstark aber gesundheitsbewusster und neigen zu häuslichen Beschäftigungen wie Kochen mit Freunden oder Gartenarbeit statt Clubbing und Drogenkonsum. Diese Orientierung am stilleren Lebensstil ihrer Eltern und Großeltern spiegelt auch ihre Sicht auf die Zukunft wider. Obwohl 45 Prozent der Befragten ziemlich optimistisch in Bezug auf ihr eigenes Schicksal sind (43 Prozent eher optimistisch), sehen sie für die Gesellschaft eine düstere Zukunft: Nur 16 Prozent glauben an positive Entwicklungen, während rund 36 Prozent pessimistisch sind und die Mehrheit leicht verunsichert ist. Die globalen Krisen und wirtschaftliche Unsicherheit schlagen auf ihr Gemüt durch und fördern ihre Vernunft. Die Bedeutung der Gesundheit steht im Fokus junger Menschen: 85 Prozent halten psychische Gesundheit für sehr wichtig, 83 Prozent legen Wert auf körperliche Gesundheit. Ebenso hoch bewertet wird ein gesundes Leben (74 Prozent) und eine ausgewogene Work-Life-Balance (ebenfalls 74 Prozent). Bei der Wahl eines einzigen Lebensziels entscheiden sich die meisten für körperliche (13 Prozent) oder psychische Gesundheit (12 Prozent). Eine Karriere, die auf Kosten der Gesundheit geht, wird nur von 30 Prozent als erstrebenswert angesehen. Ein Beruf ist zwar wichtig, aber nur in Verbindung mit sinnvoller Tätigkeit (82 Prozent), ohne krank zu machen. Ein guter Chef ist für 89 Prozent entscheidend; ein fairer Lohn (87 Prozent) und flexible Arbeitsmodelle (78 Prozent) sind ebenfalls wichtig. Ein Wandel zeigt sich auch bei der Familienplanung: Obwohl eine Familie ein Ziel bleibt, sehen nur noch 42 Prozent sie als besonders wichtig an. Für 57 Prozent ist Kinderlosigkeit eine legitime Entscheidung, und 71 Prozent befürworten eine gleichberechtigte Aufteilung der Erziehungsarbeit. Junge Frauen vertreten häufiger progressive Rollenbilder. Die Studie zeigt eine Jugend, die nicht unbedarft im virtuellen Raum agiert: 80 Prozent nutzen künstliche Intelligenz alltäglich, und 64 Prozent recherchieren intensiv für wichtige Informationen wie Gesundheitsthemen. Influencer spielen nur eine untergeordnete Rolle. In ihrer Freizeit hören 89 Prozent gerne Musik; 79 Prozent lehnen illegalen Drogenkonsum und Rauchen ab, und nur ein knappes Drittel strebt nach vielen sexuellen Erfahrungen. Von Sex and Drugs and Rock and Roll bleibt nur noch die Musik übrig.